Johannes Finke wurde 1974 in Marbach geboren und lebt heute in Berlin. Dort betreibt er zusammen mit anderen die Bravo Bar in der Torstraße. Irgendwann davor gründete er einen Lautsprecherverlag, den er zehn Jahre lang leitete. Johannes bloggt und schrieb bereits für Spex, Intro und Vanity Fair, seinen Gedichtband „Sex mit Monika Kruse oder Stell Dir vor es ist Pop und keiner geht hin!“ und zuletzt für den Kurzprosaband „Berlin bei Nacht“. Kürzlich erschien das aktuelle Album seiner Band „The Camping Group“.

Johannes Finke

Gnadenlos

GnadenlosVon keinem habe ich mehr über das Leben und das Schreiben gelernt, als von ihm. Seine Texte und Bücher strotzen vor Leben und sind dabei doch so verloren. Das eigene Schreiben litt stets unter Sucht und Zwängen, sich zu spüren, wenigstens einmal, das war etwas konkretes, das ist etwas konkretes. „Die Achtziger wollten kalt sein. Die Neunziger waren es.“ Keiner weiß das besser als Schiemann. „Gnadenlos“ ist sein neuestes Buch mit Gedichten und kurzen Abrissen, ein Einblick in das Seelenleben eines Suchtkranken in unserer Zeit, in Deiner und in meiner Nähe, immer bereit Menschlichkeit zu opfern, immer bereit für den nächsten Arschtritt.

Autor: Philipp Schiemann

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Endstufe

EndstufeWenn jemals ein Buch vor seiner Zeit erschien, dann diese großartige Geschichte über gelangweilte, modebewusste Nazikader, die der geistigen Leere überdrüssig anfangen Naturfilme zu drehen, denn so nannte man damals die für die Frontsoldaten als Motivation und Ablenkung gedachten Pornofilmchen. Sex und Nazis. Porsche und Uniformfetisch. Vergewaltigungen und das Finden von Kurzweil und persönlichem Frieden. Wenn man es genau betrachtet hat sich nicht viel verändert, bis auf dass Hugo Boss bei der Fashion Week keine SS-Uniformen mehr zeigt. Seit Jahren warte ich auf eine ernsthafte Verfilmung. Dass es in Deutschland die richtigen Schauspieler dafür gibt, konnte man die letzten Jahre in Filmen wie „Unsere Väter, unsere Mütter“ und „Inglorious Bastards“ sehen. Vielleicht wird das noch was.

Autor: Thor Kunkel

Imperium

ImperiumIch bin der tiefen Überzeugung, dass „Faserland“ eine Ausgeburt des Bösen war, arrogant und selbstverliebt, hochnäsig und hedonistisch, ohne jedoch heldenhaft zu sein, die falsche Richtung weisend und humanistische Werte, Zeitgeschichte und Kunst verachtend. Dass Kracht viele Jahre später mit „Imperium“ ein Buch vorlegt, dass gesellschaftlichen Dissonanzen drastisch aufdeckt und durch die Hintertür der Seefahrer-, Südsee- und Abenteurer-Romantik dem Diskurs der Ewig-Gestrigen einen gehörigen Arschtritt verpasst, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Und den Menschen hinter den Büchern muss man ja nicht mögen.

Autor: Christian Kracht

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Westwärts 1 & 2 – Gedichte

Westwärts 1 & 2Fauser, Fichte, Brinkmann, da wurden sprachlich Weichen gestellt und planmäßiges wurde zur Geisterfahrt, bis heute. Unerschrocken muss man sein, sich durch „Westwärts 1 & 2. Gedichte“ zu lesen. Für mich immer mehr Spaziergang als Hindernislauf, berauschend, ehrlich, verschachtelt und vielschichtig wie das Leben. Eine Klaviatur des Virtuosen, die lyrische Vermählung des Privaten mit dem Politischen. Seit Brinkmann ist die deutsche Lyrik klinisch tot, Hirnfunktionen nicht mehr messbar, es geht nur noch darum rumzuliegen, dort Platz zu beanspruchen, wo anderes und andere viel sinnvoller gestalten könnten. Literaturbetrieb sucks. Lyrik rockt. Ich weiß das.

Autor: Rolf Dieter Brinkmann

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Der Anschlag

Der AnschlagNach einer kleinen Vielzahl seiner Bücher war ich mit vierzehn durch mit dem Autor Stephen King. Das zumindest dachte ich. „Der Anschlag“ hat mich eines besseren belehrt. King ist im Olymp der zeitgenössischen, amerikanischen Hochliteratur angekommen und hat in diesem Jahr, in dem sich Kennedys Todestag zum 50. mal jährt, einen historisch-fantastischen Roman vorgelegt, der am historischen Selbstverständnis von Gut und Böse zweifeln lässt. Zudem ist das eine der ganz großen Liebesgeschichten.

Autor: Stephen King. Übersetzer: Wulf Bergner.

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