166. Fünf Bücher von Wibke Ladwig

Wibke Ladwig las schon in zarter Kindheit beim Frühstück die Werke von Schwartau, Zentis und Tuffi, wenn nichts anderweitig Bedrucktes in Reichweite war. In Unkenntnis über solch wegweisenden Erfindungen der Menschheit wie Büchereien oder Buchläden lernte sie die kostbaren Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke aus dem Schneider Verlag („Aber lies nicht wieder so schnell“) immerwiederlesend quasi auswendig und machte auch vor der Gesamtausgabe von Karl May und den Gesammelten Werken von Reader’s Digest nicht halt. Dem Dorf im Sauerland entsprungen, ließ sie über den Segnungen der Buchhandlungen (und, zugegebenermaßen, den verlockenden Angeboten der Gastwirtschaften und Popkultur) ihr Studium von Kunstgeschichte und Germanistik bis zum Abbröckeln schleifen. Sie wurde kurzerhand selbst zum Bücher-Dealer und versorgte die bedürftigen Buchstabenabhängigen. Später heuerte sie bei den Produzenten jener Suchtmittel an und war ob ihrer Hardcore Gamer-Erfahrungen rasch Bestimmerin deren Online-Geschicke. Inzwischen schreibt sie ins Internet und in Bücher, führt als Social Web Ranger Besuchergruppen durchs Internet, ist eine der Herbergsmütter des stARTcamp Köln und hütet die Wortweide. Laut diesem Interwebs und bestätigt durch geheime Quellen findet sie immer noch Zeit zu kochen, Pferdenasen zu streicheln oder mit dem Langbogen durch Eifelwälder zu pirschen.

Wibke Ladwig

Die Wand

Vor einigen Jahren entdeckt, „muss“ ich dieses Buch mindestens einmal im Jahr lesen. Die Verfilmung vermag ich mir gar nicht anzusehen. Zu sehr habe ich eigene Bilder im Kopf, die ich nicht durch andere ersetzen möchte. Die Frage, was von uns übrig bleibt, wenn niemand (oder zumindest kein Mensch) mehr da ist, um uns zu spiegeln, finde ich bezwingend. Wer sind wir, wenn wir keine Rolle mehr für niemanden spielen müssen – oder dürfen? Von jeher haben mich zutiefst melancholische Bücher oder Lieder glücklich gemacht. So auch dieses Buch mit seiner nüchternen und doch so poetischen Sprache.

Autorin: Marlen Haushofer

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Kall, Eifel

Spröde. Trist. Minimalistisch. Und draus entsteht eine ganz eigene Schönheit. Norbert Scheuer schildert Menschen in dem fiktiven Ort Kall in der Eifel, nicht in Gänze zu verwechseln mit dem realen Ort Kall in der Eifel. Wir erleben die Menschen dort und ihr so kümmerliches wie inzigartiges Leben in kurzen Ausschnitten. Wir begegnen ihnen später wieder, vielleicht. Manches ergänzt sich, manches bleibt offen. Immer lässt Norbert Scheuer „seinen“ Menschen ihre Würde. Selbst wenn ich mich der Eifel nicht durch und durch verwandt fühlte, wäre dies eins „meiner“ fünf Bücher – voller Würde.

Autor: Norbert Scheuer

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Ich sehe was, was du nicht siehst

Südfrankreich! Meine Liebe zu Südfrankreich ist noch gar nicht so alt, geht dafür umso tiefer. Zikaden musizieren in meinem Herzen, seitdem ich sie das erste Mal hörte – und ob ihrer Unwirklichkeit lachen musste. Die hier ist ein Buch, das ich allein deshalb schon immer wieder lesen muss wegen der liebevollen Beschreibungen der Dorffeste in der Provence. Aber auch das Abschiednehmen, das Reisen zu einem unbekannten Ort und das Wertschätzen von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten. Die Sprache, sowieso! Birgit Vanderbeke erlebte ich mal bei einer Lesung. Sie ist jemand, mit der ich gern mal einen weinseligen Abend mit stundenlangen Kochereien verbringen würde.

Autorin: Birgit Vanderbeke

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Don Carlos, Infant von Spanien.

„Gebt Gedankenfreiheit, Sire!“ Der Marquis von Posa sprach diese Worte in Schillers Drama. Schullektüre. Kaum zu fassen. Aber ich verliebte mich spontan, platonisch und dauerhaft in den wackeren, nach Gerechtigkeit und Religionsfreiheit strebenden Marquis von Posa. Neben meinen Jugendlieben Winnetou und Zorro hat dieser Herr einen festen Platz in der Kammer für Beschwärmte. Ohnehin, Schiller! Immer wieder gern gelesen. Wie auch das nächste.

Autor: Johann Christoph Friedrich von Schiller

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Der Adler der Neunten Legion

Auch Schullektüre. Nun gut. Fast. Mein (überaus verehrter) Lateinlehrer legte meinen Eltern dieses Buch als passendes Geschenk für mich ans Herz. Ich liebte Latein. Ich liebte die Geschichten. Ich liebte die Logik der lateinischen Sprache. Und ich liebe speziell dieses Buch. Immer noch. Eine Geschichte über Eroberung und Niederlage. Eine Geschichte über Freundschaft und die Facetten von Grau inmitten von feindlichem Schwarz-Weiss. Oh, es ist ein dtv junior und ich war elf oder zwölf, als ich es bekam. Ich mag es immer noch lesen. Das macht wirklich gute Geschichten für Kinder aus: Sie machen auch Erwachsenen noch Freude.

Autorin: Rosemary Sutcliff. Übersetzerin: Astrid von dem Borne.

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