Alexandra Pater

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Alexandra Pater, Jahrgang 1992, ist seit fast zehn Jahren online – also quasi halb so lange, wie sie alt ist. Unter dem Pseudonym Mirka von Lilienthal treibt sie seit zwei Jahren literarisch ihr Unwesen in einschlägigen sozialen Netzwerken, allen voran auf Twitter, ihrer Online-Wahlheimat, wo sie Seitenhiebe verteilt und Videos von singenden Kindern weiterschickt, Freundschaften knüpft und sich vernetzt – man könnte sagen: Twitter, das ist der Ort für ihren Gehirnballast. Ihr Blog Aus der Sockenschublade ist ein buntes Potpourri aus literarischen Ergüssen, Rezensionen und Kolumnen für eine bessere Welt. Ihr echter Name stand bisher nur auf Schulheften und in ihrem Tagebuch, man könnte sagen „5 Bücher“ ist ihr Coming Out, mit dem sie zeigt, dass da tatsächlich ein echter Mensch hinter dem Pseudonym steckt. In ihrer Freizeit reist sie quer durch Nordrhein-Westfahlen, demonstriert gegen Atomkraft, Nerzmäntel und Nazis und arbeitet in einem Supermarkt und für eine Lokalzeitung. Im nächsten Frühling macht sie Abitur und möchte nach dem Studium – irgendwas mit Büchern und Kultur – schreiben und irgendwann einen eigenen Gemüsegarten haben. Und ihr erstes Buch in einem Buchhandlungsregal entdecken. Das würde sie dann fotografieren und … richtig: Im Internet verbreiten.

Alexandra Pater

Harry Potter

Harry Potter ist der wichtigste Meilenstein meiner ersten vorsichtigen Schritte in der Buchwelt. Nach Erstlesegeschichten und unglaublich vielen Stunden des Vorgelesenbekommens, in denen mich meine Mutter zu Mitternachtspartys in das Internat von Hanni und Nanni entführte und mich mit den Fünf Freunden auf der Felseninsel Abenteuer erleben ließ, bekam ich kurz vor meinem achten Geburtstag, zu Weihnachten, den ersten Harry Potter Teil geschenkt. Ein paar Kapitel hat es gedauert, aber dann hatte mich das Buch gepackt und spätestens danach stand fest: Alexandra und die Bücher, das ist was Bleibendes. Ebenso blieb: Meine Liebe zur Harry Potter Serie. Ich habe fanatisch das Erscheinen aller Teile herbeigesehnt, mich in den Filmen verloren, mit Freunden über die Abenteuer von Harry, Ron und Hermine debattiert und manchmal auch gestritten. Und vor allem haben sie mir in meiner Kindheit und Jugend sehr viel mit auf den Weg gegeben, etwas, das auch Erwachsene aus der Reihe ziehen können: Dass Freundschaft und Tapferkeit Berge versetzen können. Dass am Ende nicht immer der Klügste gewinnt, sondern manchmal der der Held ist, den niemand auf seiner Karte hatte. Dass Liebe das Böse besiegen kann. Dass es nie zu spät ist, seine Meinung über einen Menschen zu korrigieren. Dass unsere Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind, wenn wir an uns glauben. Harry Potter hat mir viel gegeben und mich stark geprägt. Wenn es also da draußen noch den letzten Menschen gibt, der nie Harry Potter gelesen hat: Es ist nie zu spät – und im englischen Original sind sie noch lesenswerter!

Autorin: J.K. Rowling. Illustratorin: Mary Grandpre.

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Anständig essen

„Anständig essen“ von Karen Duve steht stellvertretend für die vielen, vielen Bücher, die ich im Rahmen eines ganz persönlichen Anliegens in den vergangenen Monaten las: Das Anliegen, ein Leben zu führen, das konform geht mit meiner Utopie von einer besseren Welt. Ich habe Bücher über Konsum, Klimawandel und Atomkraft gelesen, aber zuerst, da las ich Karen Duves Dokumentation ihres Experiments. Duve hat einen Monat lang nur Bioprodukte gegessen, danach einen Monat vegetarisch gelebt, gefolgt von drei veganen Monaten und einem Monat als Frutarier. „Anständig essen“ hat es geschafft, mich für ein Thema in Flammen zu setzen – für nachhaltige, gesunde und ethische Ernährung, etwas, das mehr als überfällig war. Seit zwei Monaten bin ich Veganerin, es läuft gut und Karen Duves Buch hat einen großen Beitrag zu dieser Entscheidung geleistet. Kurz: Sie war mir Inspiration, meinen Lebensstil kritisch zu hinterfragen und daraufhin völlig auf den Kopf zu stellen.

Autorin: Karen Duve

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Zwei an einem Tag

„Zwei an einem Tag“ erzählt die Geschichte von Dexter und Emma, die sich am Tag ihres Abschlusses kennen lernen und die Nacht miteinander verbringen, ohne sie wirklich miteinander zu verbringen. Dieses Einanderverpassen, ohne voneinander loszukommen, begleitet sie im Prinzip ihr ganzes Leben – und fesselt den Leser von der ersten Seite an. Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Tonfall so glaubwürdig war, dessen Charaktere so echt und facettenreich wirkten und das es dabei trotzdem schafft, die Geschichte in federleichten Worten aufzubereiten. Ich habe beim Lesen geheult wie ein Schlosshund, mich vor Lachen gekrümmt, wütend und entrüstet ob so viel Sturheit und schlechten Timings den Kopf fast gegen die Wand gerammt, habe mir die Haare gerauft und stundenlang am Stück gelesen. Letzteres tue ich eher selten, so sehr versinke ich nur in ein Buch, wenn es etwas ganz Besonderes ist. Als ich das Buch zuschlug, war ich völlig aufgewühlt und musste erstmal mit einer Freundin über das Ende sprechen – „Zwei an einem Tag“ ist eines dieser Bücher, das man wie verrückt weiterempfiehlt, um mit jedem Menschen, den man kennt, darüber diskutieren zu können. Allen, die im November die Verfilmung anschauen wollen, rate ich, unbedingt vorher das Buch zu lesen.

Autor: David Nicholls. Übersetzerin: Simone Jakob.

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Ruhm

„Ruhm“ von Daniel Kehlmann war die erste Kurzgeschichtensammlung die ich gelesen habe – und hat mich sowohl für die Gattung begeistert, als auch für das Werk Kehlmanns. Ich bewundere seine Gabe, Geschichten subtil ineinander übergehen zu lassen, mit Realität und Fiktion zu spielen, in wenigen Worten sehr viel zu sagen und Bilder zu kreieren. In „Ruhm“ erzählt er sehr wahre, sehr packende und aufrüttelnde Geschichten, die einen noch Wochen später nicht loslassen. „Ruhm“ gehört, genau wie „Zwei an einem Tag“, zu den Büchern, die ich Menschen schenke, die ich sehr gerne habe – weil ich das Bedürfnis habe, dass jeder Mensch, der gute Bücher zu schätzen weiß, diese Bücher in seinem Regal stehen hat.

Autor: Daniel Kehlmann

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Die Tribute von Panem

Die Panem-Trilogie von Suzanne Collins hat mich die letzten Wochen in Atem gehalten und somit vergleichsweise spät. Ich habe das Gefühl, ich bin als allerletzte auf einen Zug aufgesprungen, der schon vor Monaten immense Fahrt angenommen hat – was mich aber auch ein wenig in Besorgnis versetzt. Ich habe Angst, dass, vor allem durch die Verfilmung, ein ähnlicher Hype wie bei der Twilight-Saga entsteht, ein Hype, bei dem nicht mehr Panems so imposante Geschichte und Aussageabsicht im Vordergrund steht, sondern einzelne Charaktere und deren Darsteller. Panem verdient einen Hype des Inhaltes wegen. Ich kann mich nicht erinnern, je ein so politisches und radikales Jugendbuch gelesen zu haben, eine Trilogie, die so konsequent eine Geschichte erzählt, die grausam ist und wunderschön, mitreißend und fantasievoll. Eine gelungene Dystopie durch und durch. Nach Panem wird es jedes Jugendbuch verflucht schwer haben, euch den Boden unter den Füßen wegzureißen – weil es eben nicht Panem ist. Mich hat vor allem das Ende weggefegt, weil es sich gegen das Happy End Diktat auflehnt, das im Jugendbuchgenre immer noch zu herrschen scheint. Panem ist im Gesamtbild so schlüssig und perfekt, dass ich nichts zu kritisieren habe – jeder Teil ist auf seine ganze eigene Art und Weise grandios und hält haufenweise Überraschungen bereit. Unvorhersehbarkeit, das ist auch so ein Gut, das viel mehr Jugendbücher sich auf die Fahnen schreiben sollten. Panem traut seinen Lesern etwas zu – vor allem reflektiertes Denken. Solange es solche Bücher auf dem Jugendbuchmarkt gibt, ist noch nicht alle Hoffnung verloren.

Autorin: Suzanne Collins. Illustratorin: Hanna Hörl. Übersetzer: Sylke Hachmeister, Peter Klöss.

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