64. Fünf Bücher von Nelja Arndt

Nelja Arndt hat einen Schweigepflichtjob. Sie findet allerdings, dass es im Leben außerhalb jedes beruflichen Tuns noch viele aufregende Dinge gibt. Nachdem ihre beiden Kinder ausgezogen waren, musste sie sich die interessanten Sachen im Internet selbst suchen. Davon inspiriert, begann sie ein Blog zu schreiben. Hier veröffentlicht sie ein buntes Sammelsurium von Geschichten aus dem Alltag, ihre Fotos, Dekorationstipps und sie gibt Einblick in ihre Nähstube. Außerdem läuft gerade ein Fotoprojekt gemeinsam mit ihrer Tochter. Und wenn sie nicht im Job ist oder am Rechner sitzt, dann findet man sie beim Sport oder irgendwo draußen.

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Käuzchenkuhle

Bücher gehören zu meinem Leben seit ich denken kann. Und nicht wenige habe ich mehrfach verschlungen. Der absolute Spitzenreiter ist aber „Käuzchenkuhle“. Erstmals mit zehn Jahren gelesen (und gleich nochmal) hat es mich über die Jahre begleitet. Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, wurde nach der Lektüre spannend. Aber nicht nur die Welt und die Sicht der Kinder, sondern auch die der Erwachsenen im Buch fasziniert mich bis heute. So war meine Kindheit in der DDR.

Autor: Horst Beseler

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Homo faber

Während meines Studiums erlag ich der Klarheit nüchterner Fakten. Naturwissenschaftlich fixiert, schien alles mess- und darstellbar. Gefühle oder gar Mitgefühl waren unangemessen. Wir sollten lernen, auch in den angespanntesten Situationen zu funktionieren. Ich wähnte mich pragmatisch wie es Walter Faber war. Und ich lernte gerade noch rechtzeitig von Max Frisch, dass ein Mensch eben mehr ist als ein funktionierender Rationalist.

Autor: Max Frisch

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Anna Karenina

Neunhunderteinundneunzig eng im kleinstmöglichen Schriftgrad bedruckte Seiten können nur von einem Russen geschrieben sein, denn die Russen lieben lange Geschichten. Und sie lieben traurige Geschichten. Erzählt wird nicht nur von zwei Familien um eine Ehebrecherin im Alltag des zaristischen Russlands, sondern das Werk dringt feinfühlig tief in die Hintergründe ein. Es balanciert am Abgrund in den Anna fällt und in den sie alles um sich herum mit hinein reißt. Es ist ein Seelenwerk. Hach, es ist traurig schön.

Autor: Leo Tolstoi. Übersetzer: Herrmann Röhl.

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Sommerstück

Christa Wolf begleitet mein erwachsenes Leben. Ich liebe ihre Sprache und Erzählweise. Ihre Bücher sind von mir mit Markierungen und Anmerkungen durchzogen. Es gab kaum einen Sommer ohne „Sommerstück“. Ich kann Passagen auswendig rezitieren, einfach weil ich sie so oft gelesen und für wahr befunden habe. Ich habe das Gefühl, sie spricht meine Gedanken aus. Allerdings tut sie das viel pointierter und klarer als ich das je könnte.

Autorin: Christa Wolf

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Der Geschmack von Apfelkernen

Ich stehe jeder Art von „Bestseller“ skeptisch gegenüber. Dringend empfohlen las ich dieses Buch in einem Rutsch und wurde von der Geschichte um die Frauen einer Familie völlig in den Bann gezogen. Beim zweiten Lesen war ich begeistert von der poetischen Erzählweise und erstaunt über die Leichtigkeit, mit der Katharina Hagena so schwere Kost darbietet. Das Buch macht froh. Man schlägt die letzte Seite um und lächelt.

Autorin: Katharina Hagena

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