48. Fünf Bücher von Andreas Neuenkirchen

Andreas Neuenkirchen (Mitte), geboren in Bremen, verbringt seine Arbeitszeit in München und seine Freizeit in Tokio. Er ist der Autor der „Gebrauchsanweisung für Japan“. Er hat in seinem Leben noch keinen Tweet gelesen, geschweige denn geschrieben, und er wird so bald nicht damit anfangen. Dafür bloggt er gelegentlich und widerwillig.

Andreas-Neuenkirchen

Dracula

Es erfüllt mich mit Wut, Trauer und Betroffenheit, dass Bram Stokers Roman immer nur als Ideengeber für drei gute und drei Millionen schlechte Filme abgetan wird. Dabei kann auch die beste Verfilmung dem spannenden, ereignisreichen, komplexen und originellen Roman nicht das Wasser reichen. Den wunderbaren Text als solchen gibt es bestimmt an jeder digitalen Ecke für lau, aber echte Draculisten machen es nicht unter „The New Annotated Dracula“ mit 1500 Fußnoten und weiteren zusätzlichen Dickmachern. Ich bin schon auf Seite 16 (netto habe ich den Roman freilich bereits mehrfach mit Vergnügen bewältigt).

Autor: Bram Stoker. Herausgeber: Leslie S. Klinger. Künstler: Neil Gaiman.

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Fiesta: The Sun Also Rises

Gut 20 Jahre habe ich Hemingway erfolgreich weiträumig umfahren, weil ich indoktriniert war von den üblichen Vorurteilen: Frauenmissversteher, Tierschänder, et cetera blabla. An der Uni wurde ich gottlob gezwungen und musste feststellen, dass jeder, der heute einigermaßen leserlich und packend schreibt, so schreibt, wie er schreibt, weil Hemingway so geschrieben hat, wie er geschrieben hat. Ob es einem bewusst ist, oder nicht. Ob es einem gefällt, oder nicht. Ich kann mit der Erkenntnis inzwischen sehr gut leben.

Autor: Ernest Hemingway

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Das Hirngeschwür

Selbstverständlich ist ein Hund eine Hängematte. Solche unanfechtbaren Wahrheiten schwarz auf weiß zu lesen prägt fürs Leben. L’art est mort, vive Dada!

Das Hirngeschwür ist unentschuldbar vergriffen, aber als Ersatz tut es auch Serners „Letzte Lockerung“. Ist möglicherweise sogar von höherem Nutzwert in Beruf und Privatleben, siehe Untertitel „Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen“.

Autor: Walter Serner

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Abartig – meine Obsessionen

Abartig-meine-Obsessionen-von-John-WatersIch habe es immer gewusst, mich aber lange nicht getraut etwas zu sagen: Weihnachten, Horrorfilme und Pia Zadora sind das Größte! Dann nahm mich John Waters‘ Buch sanft in den Arm und flüsterte in mein Ohr: Du bist nicht allein. Seitdem ist die Welt ein freundlicherer Ort.

Die deutsche Ausgabe ist leider vergriffen, aber es gibt eine schöne amerikanische Neuauflage mit umfangreichem Bonusmaterial.

Autor: John Waters

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Die Geschichte vom Prinzen Genji

Eines von fünf Büchern sollte ein weitgehend ungelesenes sein. „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der kaiserlichen Hofdame Murasaki Shikibu im 11. Jahrhundert verfasst, gilt als der erste Roman der Welt, und wenn ich mich etwas spute, werde ich ihn noch in dieser Welt zu Ende lesen. Es ist zwar eine unerwartet angenehme Lektüre, die rund 2000 Seiten und gefühlt ebenso vielen Figuren schrecken einen manchmal aber doch. Vielleicht mache ich es wie alle anderen und werde im zwölften von vierzig Kapiteln, ‚Verbannung nach Suma‘, aufgeben und wieder von vorne anfangen. Für dieses weit verbreitete Phänomen hat die japanische Literaturwissenschaft den Begriff ‚suma kaeri‘ geprägt: Suma-Rückkehr.

Autor: Murasaki Shikibu. Übersetzer: Herberth E. Herlitschka, Arthus Waley.

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