28. Fünf Bücher von Lilian Kura

Lilian Kura ist Werbetexterin, Lektorin, Mutter, Gattin und Kräuterhexe in Personalunion. Unter dem verräterischen Namen „Textzicke“ twittert und bloggt sie ihren manchmal leicht abstrusen Alltag im bonzigen Starnberg. Schlimmer als jeder Bücherwurm fräst sie sich seit ihren Kindergartenjahren durch alles Lesbare. Große Vorbilder wurden dabei all diejenigen Autoren, die Sprache nicht nur benutzen, sondern mit ihr zaubern: Ephraim Kishon, Roald Dahl, Edgar Allan Poe, Stephen King, Walter Moers. (Wenn hier auch Bücher anderer Autoren aufgelistet sind, hat das aber auch Gründe.) Die deutschen Klassiker hingegen hat sie, ähömm, mit Klett Lektürehilfen „überbrückt“ und könnte heute keinen einzigen davon im Detail wiedergeben. Wenn sie groß ist, schreibt sie vielleicht trotzdem selbst mal ein Buch.

Lilian-Kura

Der Grüffelo

Menschen, die mich kennen, wird die Anwesenheit mindestens eines Kinderbuchs unter meinen fünf Besten nicht erstaunen. „Der Grüffelo“ ist die bezaubernd gedichtete Geschichte der kleinen Maus, die mit bewundernswerter Dreistigkeit das gefürchtete Waldwesen Grüffelo in die Flucht schlägt. Axel Scheffler zeichnete die liebevollen Bilder, Julia Donaldson schrub die absolut fantastischen (englischen) Reime. Das englische Original ist natürlich unerreicht, aber auch die deutsche Übersetzung von Monika Osberghaus verdient durchaus Respakt. Noch heute – und die Brut ist 9 bzw. 11 Jahre alt! – muss ich es regelmäßig vorlesen und tue es jedes Mal gern. Hach!

Autoren: Julia Donaldson, Axel Scheffler. Übersetzerin: Monika Osberghaus.

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Sophiechen und der Riese

Ich mein – Roald Dahl! Allein für die Ideen, die dieser Mann hat, sollte man ihn heilig sprechen. Ein guter Riese mit Sprachfehler und ein unerschrockenes Waisenmädchen retten England vor den bösen, menschenfleischhungrigen Riesenkollegen. Klar, dass ihnen dabei hie und da ein Furzelbaum entfleucht, die Queen („Euer Majonese!“) eine tragende Rolle spielt und die Verlierer für den Rest ihres Lebens Kotzgurken essen müssen. Sprachlich ein 100% dahleskes Feuerwerk [hier eine ehrfürchtige Verbeugung vor dem Übersetzer einfügen] und ein seeehr effektives Lachmuskeltraining!

Autor: Roald Dahl. Übersetzer: Adam Quidam. Illustrator: Quentin Blake.

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Die Stadt der Träumenden Bücher

Okay, ich bin Schnellleserin. Aber wenn ich 476 kleingedruckte Seiten in einem Schwupps durchschmökere und dabei weder an Peperonichips noch an die Versorgung meiner Familie denke, dann ist das was Besonderes. Ja, Walter Moers zeigt sich bei diesem Buch in seiner ganzen skurrilen Genialität. Er tanzt mit den Worten, verbiegt sie hier, modelliert sie da, erfindet sie dort ganz neu … ein reiner Genuss! Beim Orm: Eines der sprachlich besten Bücher, die ich je las. Nie, nie, nie würde ich es verleihen, denn allein die Beschreibung des Mythenmetz’schen Leserauschs ab Seite 26 muss ich jedem unter die Nase halten, der Moers noch immer nicht verehrt.

Autor: Walter Moers (mit ziemlich großartigen Illustrationen von Herrn Moers himself)

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Die Höhlenkinder

Noch ein Kinderbuch? Nö, auch absolut erwachsenentauglich. „Die Höhlenkinder“ ist nämlich die gesamte Menschheitsgeschichte, erzählt am Beispiel eines Kinderpaars. Peter (12) und Eva (10) müssen zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs mit der Großmutter in die Berge fliehen, weil diese der Hexerei angeklagt wird. Bei einem Steinschlag kommt die „Ahnl“ um und die Kinder sind auf sich allein gestellt. Ohne Feuer, Ausrüstung und Nahrung vollziehen sie über die Jahre unbewusst die ganze Entwicklung der Menschheit nach – bis hin zur Metallbearbeitung. Größtes Kino, finde ich.

Das Buch stammt aus dem Jahr 1918, wartet also mit einer etwas altertümlichen Sprache auf. Mich störte das nie die Bohne, denn ganz ehrlich: Bei keinem anderen Buch habe ich als Kind so viel gelernt wie bei diesem. Unbedingt den Sammelband mit allen drei Teilen kaufen!

Autor: Alois Theodor Sonnleitner

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Elf ist freundlich und fünf ist laut: Ein genialer Autist erklärt seine Welt

Dieses Buch fiel mir irgendwann in die Finger und ich schenke es seither so ungefähr jedem, der lesen und rechnen kann. Aus gutem Grund, denn es öffnet gleich mehrere Welten: die des mathematisch hochbegabten Savants Daniel, der Zahlen als Farben und Formen wahrnimmt. Die des „Aspies“ Daniel, der als ältestes von neun Kindern trotzdem immer er selbst sein durfte und Sprachen fast wie im Schlaf lernt. Die des homosexuellen Autisten, der sein Glück trifft, festhält und bis heute lebt. „Elf ist freundlich und fünf ist laut“ ist eine faszinierende Lebensgeschichte und eine Liebeserklärung an die Vielfalt des menschlichen Geistes. Gut geschrieben und bis zur letzten Seite lesenswert. Machen!

Autor: Daniel Tammett (übersetzt von Maren Klostermann)

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