20. Fünf Bücher von Michael Bukowski

Michael Bukowski kommt aus und lebt in Berlin, wo er in der Regel mit Notebook im Café sitzt und schreibt. Sollte er dort nicht anzutreffen sein, sitzt er eine Ecke weiter im nächsten Café und schreibt da weiter. Warum? Um dem Klischee des Berliner Café-Bewohners gerecht zu werden, der was mit Medien macht. Da hat man echt zu tun … Ach ja, und dann will ja auch noch jährlich ein neuer Band der “Lektüre für Nichtleser” geschrieben werden und auch der Twitter-Account @mbukowski muss versorgt werden …

Michael-Bukowski

Sondermann im Glück

Sondermann-im-Glück-Bernd-PfarrBis heute habe ich in meinem Bekanntenkreis niemanden gefunden, der meine Begeisterung für Sondermann teilt. Verstehe ich nicht. Vielleicht sollte ich mal einen Psychologen befragen, welche spezifische Art von Dachschaden man haben muss, um bei diesen Texten und Zeichnungen vor Verzückung zu quieken wie ich. Vielleicht wüsste ich dann Bescheid über mein Problem. Wahrscheinlich aber lasse ich es doch lieber sein und frage nicht, sondern hole mir den Sondermann im Halbjahrestakt aus dem Regal und weiß danach wieder, wo oben und unten ist; also metaphysisch gesehen jetzt.

Autor: Bernd Pfarr

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Hoffmanns Hunger

Geht ein Mann in ein Porno-Kino und sieht seine Tochter auf der Leinwand. Hoppla. Mit diesem etwas reißerischen Einstieg tue ich dem Buch wahrscheinlich keinen Gefallen, aber noch schlimmer wäre es, die Geschichte als das zu beschreiben, was sie ist: nämlich tragisch. Während heute ja zum Beispiel Haarspliss schon zum Fundus des Tragischen zählt, erzählt Herr de Winter hier eine große Geschichte von Verlust, Tod und vor allem Schuld. Eines von etwa fünf Büchern in meinem Leben, die ich zweimal oder öfter gelesen habe.

Autor: Leon de Winter

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Buddenbrooks

Wie bitte? Ich habe die Buddenbrooks nicht im Deutschunterricht zwangsgenossen, sondern freiwillig gelesen rund zehn Jahre nach dem Abi? Wie bin ich denn drauf? Ungefähr so: Ich bin da reingeplumpst, wollte da nicht mehr raus und fand es mit seinen 800 Seiten nur eine Nuance zu kurz. Episch halt. Wunderbares Gegengift gegen den chronischen Zentralalarm unserer Zeit. Lese ich mit rund 70 Jahren noch einmal. Kann ich ansonsten vorzugsweise winters als passablen Ersatz für ein knisterndes Kaminfeuer empfehlen, falls letzteres mal nicht zur Hand..

Autorin: Thomas Mann

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Abspann

Huch, schon wieder eine Geschichte, die man tragisch nennen kann; und eine erstaunlich krasse Story noch dazu. Auch dieses Buch habe ich bereits zweimal gelesen, sogar innerhalb von zwei Jahren. Eine Wiedervorlage für die dritte Runde ist bereits für in ein paar Jahren projektiert. Bitte bei Interesse nicht von dem Klappentext irritieren lassen, der klingt nicht sonderlich ansprechend, finde ich. Stattdessen muss ich, auch wenn’s furchtbar abgedroschen klingt, hier der FAZ beipflichten: “Brillant formuliert, klug durchdacht, verblüffend komisch und abgründig traurig.” Echt jetzt!

Autor: Steve Tesich. Übersetzerin: Heidi Zerning.

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Müdigkeitsgesellschaft

Hier, ein kleines Heft mit gerade mal 60 schmalen Seiten! Aber da steckt meiner Meinung nach alles drin, was man über den Wahnsinn unserer Zeit zu wissen braucht: Über den manischen Positivismus, der uns erschöpft. Und über die inspirierende Art der Müdigkeit, die viel zu kurz kommt. Sehr einleuchtend und sehr tröstlich. Und sehr spannend fand ich zu erfahren, dass wir es hier mit einem immunologischen Problem zu tun haben. Wie das? Lest selbst!

Autor: Byung-Chul Han

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