152. Fünf Bücher von Vera Hohleiter

Vera Hohleiter ist gerne auf Reisen. Oft ist sie mit schwerem Gepäck unterwegs, was vor allem an den Büchern liegt, die sie mit sich herumträgt. Sie behauptet gerne von sich, sie sei auf dem Frankfurter Flughafen aufgewachsen – was nicht ganz stimmt, in Wirklichkeit ist sie in einer Apotheke eine halbe Stunde südöstlich des Frankfurter Flughafens aufgewachsen. Früh mit Fernweh und Reisefieber infiziert, verbrachte sie aber schon als Teenager viel Zeit auf dem Flughafen, meist ohne Flugticket in der Tasche und nur mit der Absicht, die Passagiere und deren Gepäck zu studieren. Sie lebte zeitweise in New York, Paris, Yaoundé und mehrere Jahre in Seoul. Über ihr erstes Jahr in Seoul schrieb sie das Buch „Schlaflos in Seoul“, das 2009 bei dtv erschien. Ihr zweites Buch, der Reiseroman „Ein Baum oder eine Straße oder ein Haus“, ist in Vorbereitung. Im Moment pendelt sie
zwischen Berlin und Seoul und betreibt eine Website mit Reisetipps für Globetrotter.

Breakfast at Tiffany’s

Die kapriziöse Miss Golightly ist eine der schillerndsten Figuren der Literaturgeschichte. Ihre New Yorker Abenteuer erzählte Capote in eleganter Prosa und mit ätzendem Humor. Das Buch ist allerdings nur im Original lesbar, denn weder die erste Übersetzung von 1958 noch die Neuübersetzung von 2006 werden Capotes poetischem Englisch gerecht. Wer bei “Breakfast at Tiffany’s” an den Film mit Audrey Hepburn denkt, wird von der Romanvorlage überrascht sein. Die Verfilmung von 1961 hat leider nur wenig mit Capotes bissiger Gesellschaftssatire zu tun.

Autor: Truman Capote

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Die Erfindung der Einsamkeit

“Die Erfindung der Einsamkeit” ist der erste längere Prosatext Paul Austers, der bis dahin als Lyriker bekannt war – und das Buch, das er schrieb, bevor er zum Bestsellerautor wurde. In dem 1982 erschienenen Band verarbeitete Auster den Tod seines Vaters – aus der Sicht eines Ich-Erzählers im ersten Teil, “Porträt eines Unsichtbaren”, und gefiltert durch einen personalen Erzähler im zweiten Teil, “Das Buch der Erinnerung”. Das Buch enthält viele Motive, die später in Austers populären Romanen auftauchten, wie die Macht des Zufalls, der verlorene Vater, die Frage nach der eigenen Identität. Auch dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung ist “Die Erfindung der Einsamkeit” noch ein Buch von existentieller Wucht und Austers berührendstes Werk.

Autor: Paul Auster. Übersetzer: Werner Schmitz.

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In meinen Träumen läutet es Sturm

“In meinen Träumen läutet es Sturm” enthält Gedichte aus dem Nachlass der Berliner Dichterin, die meisten entstanden im Exil in New York und in Jerusalem. Im Gegensatz zu Mascha Kalékos heiter-schnoddriger Gebrauchslyrik aus “Das Lyrische Stenogrammheft” und “Kleines Lesebuch für Große” sind die Gedichte ernster im Ton, handeln vom Emigrantendasein, von Heimatlosigkeit, Verlust und Neuanfang. Die selbst ernannte “Großstadtlerche” verlor auch in diesen Extremsituationen nicht ihren Humor und schrieb selbstironische Verse wie in dem metapoetischen Gedicht “Seiltänzerin ohne Netz”: “Und dennoch tanz ich und will gar nichts wissen,/Teils aus Gewohnheit, teils aus stolzem Zorn./Die Menge starrt gebannt und hingerissen./Doch gnade Gott mir, blicke ich nach vorn.”

Autorin: Mascha Kaléko. Herausgeberin: Gisela Zoch-Westphal.

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In Patagonien

“In Patagonien” ist das ultimative Reisebuch. Chatwins Anekdoten über die Grenzregion zwischen Chile und Argentinien, die bis dahin ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte war, sind legendär, ebenso wie die Entstehungsgeschichte des Buches. Die Legende besagt, dass Chatwin, der damals bei der “Sunday Times” arbeitete, einfach ein Telegramm an die Redaktion schickte: “Für vier Monate fort nach Patagonien.” In Patagonien stieß Chatwin auf einen Fundus an Geschichten, der ihm ermöglichte, über die Themen zu schreiben, die ihn am meisten interessierten – “Exil, Enttäuschung und Angst hinter Spitzengardinen”.

Autor: Bruce Chatwin. Übersetzerin: Anna Kamp.

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Bartleby, der Schreibgehilfe

Melvilles Lebenswerk wird häufig auf seinen epochemachenden Roman “Moby Dick” reduziert. Doch Melvilles vielleicht schönstes Buch ist ein schmales Bändchen von nicht einmal hundert Seiten, das die Geschichte des eigenwilligen Schreibgehilfen Bartleby erzählt, der alle ihm unangenehmen Aufgaben höflich, aber bestimmt ablehnt mit den Worten: “Ich möchte lieber nicht.” (Oder im englischen Originaltext: “I would prefer not to.”). Damit wurde Melvilles Bartleby zur Galionsfigur aller Eigenbrötler, Sonderlinge und Nonkonformisten.

Autor: Herman Melville. Übersetzerin: Elisabeth Schnack.

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