141. Fünf Bücher von Teresa Bücker

Teresa Bücker ist Feministin, seitdem sie als 5-Jährige feststellte, dass in der katholischen Kirche, die ihre Kindheit prägte, Frauen nicht gleichberechtigt und außerdem Symbol für das Sündhafte sind. Mittlerweile arbeitet sie in der Politik und hat dabei ihre Liebe zu Sprache und Mode nicht verloren. Ihre Kinder wird sie nicht trilingual, aber mindestens in einer Programmiersprache erziehen und die Filtersoftware einzig auf BILD.de ausrichten. Sie mag keine Blumen, aber Bärte, und Whiskey Sour nach dem Bikram Yoga. “Ich kann mir nichts besseres vorstellen, als diese Frau zu sein. Aber ich muss vor lauter Freude darüber nicht gegenüber Sexismus abstumpfen. Nicht gegenüber Diskriminierung. Und nicht gegenüber Dummheit”, sagt sie und schreibt darüber für ihr eigenes Blog und bei anderen Medien. Ihr erstes Buch wird im kommenden Jahr im Berlin Verlag erscheinen.

Teresa Bücker

Der heilige Hunger

“Essgestörte müssen nur wieder normal essen, dann werden sie gesund.” Das ist einer der vielen Mythen, die erzählt werden über Menschen, die nicht satt werden, die erbrechen, die keinen Bissen mehr herunter bekommen. Stephanie Grant gelingt mit ihren Romanfiguren Alice und Maeve den Fehlblick auf Essstörungen aufzubrechen, der falsche Schönheitsideale in der Verantwortung sieht. Die Liebes- und Leidensgeschichte zwischen den beiden Frauen schmerzt beim Lesen und weckt die Frage, wie es um das eigene Verlangen nach spiritueller, emotionaler und intellektueller Sättigung steht. Der Hunger, mit dem man das Buch zuklappt, wirkt lange nach. Mit Schokolade ist er nicht zu stillen.

Autor: Stephanie Grant

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Sex mit Monika Kruse oder Stell’ Dir vor es ist Pop und keiner geht hin!

Dieses Gedichtband vereint zweierlei Dinge: die Liebe zu einem Mann und die Liebe zu neuer deutscher Lyrik, die ich über ihn entdeckte. Es gibt nichts Erotischeres, als die Kunst gekonnt mit Worten zu spielen und Gefühle in sie zu kleiden um danach nackt da zu stehen. “Du bist keine Rose, nur weil dein Herzschlag mich high macht”, schreibt Finke. Gute Lyrik, egal ob über Skateboarding, Krieg oder Techno der Neunziger, macht genau das.

Autor: Johannes Finke

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Slumberland

Ehe ich meine Finger nicht mehr von den Seiten des Buches lassen konnte hatte Paul Beatty mir schon alles um die Ohren gehauen: Sprachgewalt, Sex mit einem Huhn, die Suche nach dem perfekten Beat und Identität, die Berliner Wirren kurz nach dem Mauerfall und eine eigenwillige und doch erhellende Sicht auf “die weiße Frau” aus der Sicht eines afroamerikanischen Musiksüchtigen. Die Geschichte entspinnt sich um die Jukebox in der Bar Slumberland in Schöneberg über Streifzüge durch das frisch vereinte Berlin bis hin zu einer “Skinhead-Demo” in Mahrzahn, auf denen “DJ Darky” durch Zufall auflegt. Dieses Buch muss dringend vertont werden um all die musikalischen Zitate, die er in seinen Text hineinwebt, direkt im Ohr zu haben.

Autor: Paul Beatty. Übersetzer: Robin Detje.

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Feminismus und der Abgrund der Freiheit

Einen radikalen Zweifel an dem, was ist, wieder zu entdecken und die eigene Vorstellungskraft bemühen, wie eine geschlechtergerechte Welt aussehen könnte, lehrt Linda M. G. Zerilli in diesem Buch. Das Buch sieht Feminismus als politische Praxis, vor allem aber als Freiheitspraxis, über die man dann auch das bemühte Argument verwerfen kann, die Frauenquote sei aber “besser” für die Wirtschaft. Denn: “Weibliche Freiheit ist radikal unbegründet: Weder letztbegründet noch konsequentialistisch, findet sie ihre raison d’être einzig und allein in sich selbst.”

Autorin: Linda M. G. Zerilli. Übersetzerin: Bettina Engels.

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Fragebuch

Dieses Buch ist ein gebundener Psychotherapeut, ein Komiker, ein Biss in den Nacken. Es passt in die Hosentasche und enthält, wenn man die 565 Fragen im Zwiegespräch mit sich selbst oder anderen beantwortet, ein ganzes Leben. Mikael Krogerus saß mir im letzten Jahr in meiner Küche gegenüber und las die Fragen vor, die ich anhand ihrer Nummern zufällig auswählte. Ihre klare Formulierung provoziert eine Art der Ehrlichkeit und persönlichen Reflektion, die mich selbst überraschte. Also: “Liebt Ihr Partner Sie?” und “Etwas, das Sie sich nie getraut haben und von dem Sie sich wünschen, Ihre Kinder würden es tun:”.

Autoren: Mikael Krogers, Roman Tschäppeler.

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