Patrick Breitenbach

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Patrick Breitenbach lehrt “New Media Culture”, “Social Media Lab” und “E-Business” und ist digitaler Botschafter an der Karlshochschule in Karlsruhe. Weil ihm das Internet so viel Freude bereitet, arbeitet er nebenher zudem als freier Berater, Stratege und Konzepter. Damit noch nicht genug. Gemeinsam mit Nils Köbel gewann er 2013 mit seinem philosophisch-soziologischen Podcastformat Soziopod auch noch den Grimme Online-Award in der Kategorie Bildung.

Patrick Breitenbach

Illuminatus! Die Trilogie

Illuminatus! Die TrilogieVorsicht! Dieses Buch ist wie Acid. Ein einziger psychedelischer Trip. Ein Ulysses der Neuzeit. Entstanden in den Nachwehen der amerikanischen Hippiekultur und entsprechend ist es auch vollgepackt mit deren Memen. Das Buch selbst ist vermutlich der wichtigste Wegbereiter für all die nachfolgende Verschwörungsliteratur rund um die Illuminaten und dem anderem Gedöns. Erst dieses Buch aus dem Jahre 1968 hat den Dan Browns, Akte X Autoren und zigmillionen Verschwörungsseiten im Netz überhaupt den Weg geebnet. Das Buch ist eine hochintelligente und zugleich rotzfreche Satire, ein vergnüglicher Mindfuck, ein immersives Literaturerlebnis. Das kann sogar so intensiv ausfallen, daß einige Menschen bereits daran psychisch verzweifelt sind – wie zum Beispiel der Hacker Karl, der seine später entwickelte Psychose und Paranoia mit Inhalten aus dem Buch gefüttert hat. Dieses Buch hat übrigens auch gleich mal nebenbei eine neue Religion gegründet: Den Diskordianismus. Dieses Buch hat also nicht nur meine Wirklichkeit ziemlich auf den Kopf gestellt, es hat es auch noch mit dem größtem Vergnügen getan. Kreative Chaoten werden unendlich viel Spaß an der Mixtur aus realen, historischen Fakten, Okkultismus, Nazizombies, behaarten und unbehaarten Atlantisbewohnern, sprechenden Delfinen und jeder Menge Sex, Drugs und Rock ‘N Roll haben. Nicht gefestigte, leichtgläubige und ernsthafte Menschen und Miesepeter sollten lieber gleich die Finger davon lassen. Oder gerade erst dann lesen? Doch Vorsicht, die eigene Kognition wird sich verbiegen, verzerren und womöglich sogar verknäulen. Dieses Buch ist so verdammt bewusstseinserweiternd, gerade weil es alles so wunderbar wild durcheinander wirbelt. Humor ist das geeignete Antidot zur Lektüre.

Autoren: Robert Shea & Robert A. Wilson. Übersetzer: Udo Breger.

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Der Steppenwolf

Der SteppenwolfEs heißt doch so schön: Entweder man haßt oder man liebt Hermann Hesse. Ich habe ehrlich gesagt keine innige Bindung zum Autor. Weder verschlinge ich alle seine Bücher noch widern sie mich an, wie so manchen meiner mir bekannten Mitmenschen. Was ich jedoch mit Fug und Recht behaupten kann: Mich hat der Steppenwolf in jungen Jahren am Ende doch mehr interessiert und bewegt, als ich es von einer verordneten Schullektüre erwartet hätte. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich als geborener Zwischenweltler stets mit der Welt des Harry Hallers wunderbar identifizieren konnte. Ein umtriebiges Wesen, taumelnd zwischen Freude und Traurigkeit, zwischen Bürgertum und Rebellion, zwischen Selbsthass und Nächstenliebe. Vielleicht ist der Steppenwolf auch einfach ein Buch, das bei Pubertierenden super ankommt – werden jetzt die Hesse-Hasser wieder skandieren. Jedenfalls bin froh, dass der Steppenwolf mich in das magische Theater geführt hat und mir dort das heilsame Lachen über einen selbst nahe gebracht hat. Die notwendige, heilsame Versöhnung von zwei verschiedenen, scheinbar voneinander getrennten Welten.

Autor: Hermann Hesse

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Teil der Welt. Fraktale einer Ethik – ein Drama in drei Akten

Teil der Welt. Fraktale einer Ethik - ein Drama in drei AktenDas letzte Buch, das ich wirklich nicht mehr weglegen konnte, war dieses. Heinz von Foerster ist nicht nur mein Lieblingsphilosoph, er ist auch mein Lieblingsgeschichtenerzähler. In zahlreichen Gesprächen mit Monika Bröcker in seinen letzten Lebensjahren erzählt er zum einen noch einmal ausführlich sein leicht skurriles und faszinierendes Leben: Seine Kindheit und Jugend in Wien nach dem ersten Weltkrieg bei seiner Großmutter, einer bekannten Salonbetreiberin und feministischen Vorkämpferin, seinem Duzonkel Ludwig Wittgenstein, dessen Standardwerk, den ” Tractatus logico-philosophicus” er bereits als Jugendlicher auswendig konnte und damit anderen anscheinend sichtlich auf die Nerven ging. Seine Zeit unter den Nazis, die Flucht und das Leben als Forscher und kybernetischer Wissenschaftler in den USA. All das ist so wunderbar entzückend erzählt, dass ich dieses Buch wirklich nicht beiseite legen konnte. Der andere wichtige Teil des Buches ist der Versuch sich sprachlich Ethik und Moral zu nähern, auf ganz wunderbar leichtfüßige aber ganz und gar nicht leichtfertige Weise. Für mich eines der persönlich bereicherndsten und bewegendsten Bücher der letzten Jahre.

Autor: Heinz von Foerster

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?Neben Heinz von Foerster gibt es einen zweiten Denker, Philosophen und Psychologen, der mich unglaublich geprägt hat: Paul Watzlawick. Dank seiner Werke wandele ich nun auf den Pfaden des Konstruktivismus. Watzlawick schafft es mit diesem Buch die objektive Wirklichkeit als das darzustellen, was sie vermutlich wirklich ist: Eine Illusion, eine Konstruktion und eben nicht die wirkliche Wirklichkeit. Damit gehören die Konstruktivisten und allen voran Watzlawick für mich zu den wichtigsten Denkern der Neuzeit, denn sie stellen damit nicht nur weite Teile der Wissenschaft auf den Kopf (von wegen alles ist wissenschaftlich beweisbar), sie bieten zudem im Grunde die so dringend benötigte philosophische Basis an, die eine zunehmend vernetzt kommunizierende Welt eigentlich erfordert. Die Haltung des Konstruktivismus könnte in einer Welt, in der die alleinige Wahrheit immer noch zur Not mit Krieg ausgefochten wird, unfassbar heilsam wirken. Übrigens lese ich die verspielten Heinz von Foerster und Paul Watzlawick tausendmal lieber als den vertrockneten, technokratischen Luhmann, wobei alle im Grunde genommen versuchen das Gleiche zu beschreiben.

Autor: Paul Watzlawick

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Bombardiert Belgien! & Brot und Gürtelrosen

Bombardiert Belgien! & Brot und GürtelrosenWenn schon bitterböse Satire, Zynismus und Polemik, dann bitte mit sprachlicher Eleganz und einer gehörigen Portion Bissigkeit. Wiglaf Droste ist mein persönlicher Chefsatiriker, der bis heute Redewendungen und Sprüche vornehmlich zwischen mir und meiner Frau erfolgreich eingepflanzt hat. Wenn wir zum Beispiel irgendwo zopftragende Männer sehen, können wir nicht anders als Drostes vor Jahren gepflanzte Meme ihren Lauf zu lassen: “Als Mann einen Zopf tragen und trotzdem ein Wort wie „Menschenwürde“ routiniert auf der Zunge führen: genau so sieht er aus, der Zopfträger, und ahnt nicht einmal, dass man beides, einen Zopf und eine Würde, nicht gut haben kann; da muss man sich schon entscheiden. Und genau das hat der zopftragende Mann ja auch getan.” Für mich ist Wiglaf Droste eindeutig der knurrigere und dennoch feingeistigere Max Goldt und er wurde bereits zu Recht als würdiger Tucholsky-Nachfolger gehandelt. Übrigens empfehle ich nicht nur seine Bücher zu lesen, sondern auch seinen Lesungen zuzuhören. Seine Musik hingegen finde ich so la la.

Autor: Wiglaf Droste