Fünf Bücher http://fuenfbuecher.de Welche fünf Bücher bedeuten Dir so viel, dass Du sie nicht mehr hergeben würdest? Sun, 06 Apr 2014 19:17:13 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v= 213. Fünf Bücher von Nunu Kallerhttp://fuenfbuecher.de/nunu-kaller/ http://fuenfbuecher.de/nunu-kaller/#comments Sun, 06 Apr 2014 19:17:13 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6802 Weiterlesen ]]> Ich bin Nunu, gleichzeitig Gerechtigkeitsfanatikerin und Modetussi in einem. Anfang 2012 beschloss ich eine einjährige Shoppingsauzeit – meine Einkäufe wurden schlicht zuviel. Während dieses Jahres bloggte ich – über die Hintergründe der Modeindustrie, über die Höhen und Tiefen meiner Shoppingauszeit, über meine DIY-Versuche in Sachen Stricken und Nähen, und über biofaire Alternativen, die nicht nach Jutesack und Ökoschlapfen aussehen. Was mir ganz wichtig war: Ich wollte informieren und meine Eindrücke teilen, nicht belehren. Das kam so gut an, dass ich die Möglichkeit bekam, ein Buch zu schreiben: “Ich kauf nix! Wie ich durch Shoppingdiät glücklich wurde” erschien im November 2013 im Verlag Kiepenheuer & Witsch, nach weniger als drei Monaten waren 10.000 Exemplare über den Ladentisch gewandert. Hauptberuflich bin ich seit wenigen Wochen Konsumentensprecherin bei Greenpeace Österreich.

Nunu Kaller

Die Arbeit der Nacht

Die Arbeit der Nacht – Erst vor kurzem gelesen, allein der Gedanke an das Buch verursacht bei mir Gänsehaut, sehr verstörendes Buch. Das erste Buch, das ich gelesen habe, das in mir das gleiche Gefühl auslöst wie ein guter Psychothriller. Ein Mann wacht auf, und die gesamte Stadt ist leer. Kein Mensch mehr, nichtmal Vögel zwitschern. Einfach alles leer – und er hat keine Ahnung, wieso. Die Situation wird immer beklemmender, und permanent läuft neben der Geschichte das eigene Kopfkino mit: Wie wäre das wohl, wenn die Stadt plötzlich komplett menschenleer ist? Spannungssteigernd für mich persönlich: Das Buch spielt in meiner Heimatstadt Wien.

Autor: Thomas Glavinic

Bei amazon: Buch | E-Book

Middlesex

Amerikanische Geschichte, so erzählt, dass man sich nicht immer sicher ist, ob das jetzt wieder wirklich passierte Geschichte ist oder ob Eugenides einfach eine unglaublich spannende, dichte und wunderschön geschriebene Geschichte entworfen hat. Zusätzlich empfindet man wahnsinnige Sympathien mit der Hauptperson, einem Hermaphroditen. Viele neue Welten in der neuen Welt – in einem Buch, das die perfekte Urlaubslektüre ist. Reinfallen lassen und komplett in die Geschichte hineinkippen.

Autor: Jeffrey Eugenides

Bei amazon: Buch | E-Book

Die Bibel nach Biff

Das lustigste Buch, das ich jemals gelesen habe. Selbst mein Kater hieß Biff, nach dem Ich-Erzähler des Buchs. 2000 Jahre nach der Geburt Jesu Christi kommt die katholische Kirche drauf, dass sie ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Also erwecken sie den in der Geschichtsschreibung weitgehend nicht vorgekommenen besten Freund von Jesus, Biff, auf und statten ihn mit der Gabe der Sprache aus. Er soll seine Erinnerungen an Jesus niederschreiben und so der Kirche zu neuer Beliebtheit verhelfen. Er wird gemeinsam mit einem mäßig intelligenten Erzengel in ein Hotelzimmer gesperrt, wo der Erzengel dem Pay-TV verfällt und es nicht verkraften kann, dass der Zimmerkellner Jesus heißt. Der Haken an dem Plan: Biff ist eine unglaubliche Flasche – aber mit dem Herz am rechten Fleck. Hach. Biff ist toll.

Autor: Christopher Moore. Übersetzer: Jörn Ingwersen.

Bei amazon: Buch | E-Book

Lotta Wundertüte

Ein Sachbuch, das mir meine Lektorin vor einigen Monaten in die Hand drückte. Sandra Roth beschreibt Schwangerschaft und erste Jahre mit ihrer Tochter, die schwerbehindert zur Welt kommt. Ich bin nicht mal Mutter, und trotzdem berührte mich das Buch unglaublich. Sandra Roth erzählt sehr eindringlich: Man leidet mit ihr, aber man hat kein Mitleid – und irgendwie verknallt man sich in ihre beiden Kinder, die kleine Lotta und ihren großen, gesunden Bruder.

Autorin: Sandra Roth

Bei amazon: Buch | E-Book

Let’s get bombed

Bereits über zehn Jahre alt, liest man in diesem Blogbuch eine andere Seite von Bagdad vor und während des Golfkriegs. Ein Dokument einer schrecklichen Zeit, sehr persönlich, und dennoch muss man manchmal grinsen: Der Mann kann Sarkasmus, aber wirklich. Zehn Jahre alt, in dieser Zeit dreimal gelesen.

Autor: Salam Pax. Übersetzer: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann.

Bei amazon: Buch
]]>
http://fuenfbuecher.de/nunu-kaller/feed/ 0
212. Fünf Bücher von Christina Maria Schollererhttp://fuenfbuecher.de/christina-maria-schollerer/ http://fuenfbuecher.de/christina-maria-schollerer/#comments Sun, 23 Mar 2014 10:44:03 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6808 Weiterlesen ]]> Christina Maria Schollerer wurde 1985 in München geboren, wuchs in Niedersachsen auf und lebt heute in Berlin. Nach ihrem Studium der Europäischen Medienwissenschaft ist sie heute als freie Autorin und Producerin, sowie als Akademische Mitarbeiterin an der Fachhochschule Potsdam tätig. Vom eigenen Kinderbuch bis zur transmedialen Bestsellerkampagne bewegt sie sich fließend zwischen den analogen und digitalen Medien, ihre große Leidenschaft gilt jedoch bei alldem immer dem Geschichtenerzählen.
2013 gewann Christina mit ihrem Team eine von zehn MOOC Production Fellowships des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft und iversity, mithilfe derer sie „The Future of Storytelling“ konzipierte und launchte, Deutschlands bis dato größten Massive Open Online Course (MOOC) mit inzwischen mehr als 90.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen weltweit.

Christina Maria Schollerer

Harry Potter und der Stein der Weisen

Die gesamte Harry-Potter-Serie, insbesondere Band 1-3, und noch spezieller: der erste Band, sind Schuld daran, dass ich bereits als Kind Autorin werden und meine eigenen Fantasiewelten erschaffen wollte. Ich halte Joanne Rowling zudem für eine unfassbar gute Autorin und Geschichtenerzählerin. Und den ersten Harry-Potter-Band noch immer für die beste Thriller-Krimi-Fantasy-Abenteuer-Komödien-Mischung, die ich je gelesen habe. Manche Autoren bewundere ich für ihre beeindruckende Sprache und ihren Stil; J.K. Rowling dagegen schafft es, als Autorin hinter ihren Figuren und Schauplätzen unsichtbar zu werden, die Geschichte zum Leben zu erwecken und diese wie ein unsichtbarer, warmer Wind in die Welt zu pusten. Und genau dadurch wird Sie für mich zu einer der größten Geschichtenzauberinnen, die ich kenne. Mal davon abgesehen, dass „Harry Potter und der Stein der Weisen“ einfach auch eine verdammt gute und spannende Geschichte ist, und wohl jeder HP-Fan sich schon einmal gewünscht hat, die Muggelwelt hinter sich zu lassen und endlich in der Winkelgasse seinen ganz persönlichen Zauberstab abzuholen.

Autorin: Joanne K. Rowling. Übersetzer: Klaus Fritz.

Bei amazon: Buch

On Writing

Wenn ich ein einziges Buch über das Schreiben empfehlen müsste, wäre es dieses. Nicht unbedingt, weil die Schreibtipps hier so überragend originell, so kurz und bündig, oder so gut sortiert angeboten werden. Nein, das kann man Mr. King nicht gerade anlasten. Aber die Lust am Schreiben selbst und die Glaubwürdigkeit, mit der hier über das Schreiben gesprochen wird, führen dazu, dass ich sein Buch immer und immer wieder in die Hand nehme. Halb Autobiografie, halb Schreibratgeber, zeigt „On Writing“ an Stephen Kings eigenen Textbeispielen, was es für ihn heißt, gut zu schreiben. Dabei macht er dem Leser sogar frühere Fassungen seiner Texte zugänglich, zeigt Korrekturen und Überarbeitungen auf und bietet so einen beeindruckend tiefen Einblick in seine Schreib- und Arbeitsweise und sein gesamtes Leben, wie ich ihn so noch von keinem anderen bekannten Autor erfahren habe.

Autor: Stephen King

Bei amazon: Buch | E-Book

Extremely Loud and Incredibly Close

Wie unfassbar schön! Wie unfassbar traurig und herzzerreißend… Und wie unfassbar brutal gut geschrieben und konzipiert.
Dieses Buch zu lesen, war für mich Geschenk und masochistischer Akt zugleich. Es ist eine wunderbare Geschichte mit wundervoll feinsinnig und behutsam dargestellten Charakteren; allen voran Oskar Schell, dem wachen, mutigen und so empfindsamen neunjährigen New Yorker, der seinen Vater beim Zusammenbruch der Twin Towers verlor und mit dem Verlust auf seine Art umzugehen versucht. Und es ist gleichzeitig eines jener Bücher, die mich als Autorin nur seufzen und anerkennend nicken lassen, in der Einsicht, dass man hier ein absolutes Meisterwerk der Literatur vor sich hat, von dem man sich selbst in seiner Arbeit häufig so meilenweit entfernt fühlt, dass man für einen Moment wünschte, man wäre nicht über etwas derart Wundervolles gestolpert. Doch dieses Gefühl geht so schnell vorbei wie der bittersüße, zarte Sog dieser Geschichte und ihrer drei Handlungsstränge um sich greift und die Leser mit sich zieht in Foers Gesamtkomposition und das Spiel mit Sprache, Typografie … und Daumenkinos. Eine absolute Lese- und Erfahrungsempfehlung von mir für dieses Buch! Es hat mich tatsächlich einfach umgehauen.

Autor: Jonathan Safran Foer

Bei amazon: Buch | E-Book

The Curious Incident of the Dog in the Night-time

Zu Deutsch: „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ – ein Titel, den ich für diese Empfehlung erst recherchieren musste. Denn das Buch ist in Deutschland leider sehr viel unbekannter als in England und Irland, wo es mir im selben Urlaub gleich zweimal von Freunden (unabhängig voneinander) empfohlen wurde. Die teils komisch-skurrile, teils bittersüße Geschichte handelt von Christopher Boone, einem autistischen Teenager auf der Suche nach dem Mörder des Nachbarshundes. Erzählt aus seiner Perspektive, erleben wir Christophers Welt und seine abenteuerlichen Ermittlungen auf eine berührende und oftmals absurde Art und Weise. Da Christopher einerseits als Mathegenie gilt, andererseits menschliche Emotionen nur mithilfe von Schablonen lesen und verstehen kann, eröffnet sich dem Leser/der Leserin ein wundersamer Zugang zu einer Weltsicht und Persönlichkeit, die so anders und doch in keiner Weise „behinderter“ ist als ihr Umfeld, auch wenn dieses ihn das ab und an so gerne glauben machen will. Ein wunderschönes, warmes Porträt einer ganz besonderen Kinderseele – für Kinder wie Erwachsene geeignet.

Autor: Mark Haddon

Bei amazon: Buch | E-Book

Von Liebe, Neugier, Prozac und Zweifeln

Dieser Roman der jungen spanischen Autorin Lucía Etxebarría ist eines meiner wenigen Lieblingsbücher, die ich nur ein einziges Mal gelesen habe. Während ich für die Empfehlung durch die Romanseiten blättere, frage ich mich ernsthaft, warum. Möglicherweise, weil sich die Geschichte darin wie ein Mosaik entfaltet, sich in ihren ganzen Facetten erst rückblickend zusammensetzt – und diese Erzählweise beim ersten Lesen die meiste Kraft entwickelt. Oder weil die Erzählung passagenweise nur schwer erträglich ist; so vermeintlich ehrlich, direkt und hart berichten die drei Protagonistinnen aus ihrem Leben. Im Zentrum der Geschichte stehen drei Madrider Schwestern, alle mit ihrem ganz eigenen, zunächst funktionstüchtigen Lebensentwurf und sehr unterschiedlichen Charakterzügen gesegnet (oder gestraft). Über die Jahre sind aus den einst engen Familienbeziehungen entfremdete, teils sogar antagonistische Bande geworden. Das Faszinierende und Grandiose ist hierbei für mich, wie Lucía Etxebarría es schafft, allen drei Schwestern eine durchweg individuelle Stimme zu verleihen – und dabei auf der anderen Seite mich als Leserin dazu bringt, mich mit allen Dreien gleichermaßen zu identifizieren. Ein wunderschönes Buch über das Leben, Familienbande und die Definition persönlichen Glücks… Ich selbst habe es damals als Geschenk von einer Freundin erhalten und würde es jederzeit zum Weiterverschenken empfehlen.

Autorin: Lucía Etxebarría

Bei amazon: Buch
]]>
http://fuenfbuecher.de/christina-maria-schollerer/feed/ 0
211. Fünf Bücher von Verena Maria Dittrichhttp://fuenfbuecher.de/verena-maria-dittrich/ http://fuenfbuecher.de/verena-maria-dittrich/#comments Sun, 16 Feb 2014 21:05:34 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6786 Weiterlesen ]]> Verena Maria Dittrich wurde im Spreewald geboren und hat sorbische Wurzeln. 
Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie für “N24″ und “n-tv”. Dort wiederum macht sie aber auch nichts anderes als Schreiben, hauptsächlich Film-Kritiken über Rocky, Bruce Willis oder alles was mit Kämpfen, von Hochhäusern springen, Hubschraubern und doofen Gangstern zu tun hat. 2010 veröffentlichte sie im “Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag” ihr Debüt “Sexgöttin“. Anschließend erschienen “111 Gründe, Berlin zu lieben“, ein literarischer Reiseführer in Kurzgeschichtenform und noch ein paar Bücher mehr.
 Verena Maria Dittrich lebt für unglaubliche 261 Euro Miete in einem großen, unsanierten, irgendwie vergessenen Gartenhaus in Berlin-Pankow. Einziges Manko: Niemals Handy-Empfang und selten Netz. Nach dem Tod ihres Vaters arbeitet sie nun wieder an einem Manuskript, einer DDR-Familiensaga mit dem Titel: “Mein Rotes Kreuz”. 
Demnächst erscheinen aber erst einmal einige ihrer Geschichten unter dem Titel: „Auf jeden Fall nichts mit Menschen“.

Verena Maria Dittrich

Verficktes Herz

Noras Gantenbrinks Sprache ist eine ganz eigene. Ehrlich, klar wie ein Bergsee und unverwechselbar. Eine Sprache, die mich beruhigt und gleichzeitig beben lässt. Dabei schreibt sie über ganz alltägliche Dinge: Liebe, Kummer, Sehnsucht – Gefühle, die keinem neu sind. Aber wenn ich ihre Kurzgeschichten lese, dann ist das wie nach Hause kommen, die Katze begrüßt einen an der Tür und manchmal kriegt niemand sonst etwas davon mit, dass man überhaupt da bist. Und wenn ich eine weitere Buchseite umblättere, ist es fast schon egal, ob auf der Straße jemand brüllt oder meine Gefühle beim Lesen den x-ten Schleudergang antreten.

Autorin: Nora Gantenbrink

Bei amazon: Buch | E-Book

Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt

Wie ich dieses Buch liebe! Ulrike Sterblich erzählt darin von ihrer Kindheit in Berlin, West-Berlin wohlgemerkt. „Zuhause ist, wo das Herz ist“, hat meine Großmutter immer zu mir gesagt, wenn ich mit ihr als Kind in den Ferien nach Ost-Berlin gefahren bin, damals 1985, und jedes Mal wissen wollte, wie das Leben auf der anderen Seite der Mauer ist. Ich – das Zonenkind – habe mich bei diesem Satz von Großmutter oft gefragt, was das für Leute sind, die „rübermachen“ wollen und keinen Bock mehr auf Sozialismus haben. Ich bin in der DDR groß geworden. Ich bin ein Plattenkind. Wir lebten in einem kleinen Arbeiterviertel, namens Schmellwitz, in einer Mietwohnung, Marke P2, für 80 Mark. Als Kind dachte ich, dass diese Wohnung für immer mein „Zuhause“ sein würde, ich dachte sogar, dass jedermanns Zuhause irgendwie so ähnlich aussähe wie meins, jedenfalls in der DDR. Alles in meinem Viertel war immer ein bisschen zu grau, zu hellhörig, zu bedeckt, zu verwanzt. Viele Plätze und Straßen haben heute, erst recht in Berlin, andere Namen. Die Straßenschilder verschwanden nach dem Fall der Mauer schneller, als dass man sich den Sozialismus abgewöhnt hatte. Das Buch von Ulrike Sterblich ist das Buch eines Mädchens wie ich eines war, nur auf der anderen Seite der Mauer. Ihre Kindheit war meiner gar nicht so unähnlich und ich hab beim Lesen gemerkt: egal wie trostlos und grau die Zone auch war: Wichtig ist, was man im Herzen trägt.

Autorin: Ulrike Sterblich

Bei amazon: Buch | E-Book

Motel Life

Selten habe ich einen Roman gelesen, der mir so lange im Gedächtnis geblieben ist. Willy Vlautin erzählt in „Motel Life“ die tragische Geschichte zweier Brüder, die – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Haufen Scheiße am Hals haben und auf ihre ganz eigenen unterschiedlichen Art und Weisen versuchen, den Karren gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen. Dieser Road Movie hat alles, was eine gute Geschichte braucht: eine großartige Story, eine leise Liebe, zwei tiefgründige, authentische Kerle, einen Schuss Wahnsinn und ein phantastisches Ende. Die wunderbaren Illustrationen sind nur das Tüpfelchen auf dem i.

Autor: Willy Vlautin. Übersetzer: Robin Detje.

Bei amazon: Buch | E-Book

Sommerhaus, später

Ich weiß nicht wieso, aber ich habe oft Sehnsucht nach Judith Herman. Vielleicht bin ich ja verknallt in Judith Herman und kann nicht verstehen, wieso ich schon so lange nichts Neues mehr von dieser fabelhaften Autorin gelesen habe. Jedes Wort, das sie schreibt, ist an der richtigen Stelle, der Sound ihrer Geschichten ist wie ein Pullover mit 75 Prozent wärmender Wolle und 15 % Synthetik und Polyester, nur dass bei ihr das Kratzen überhaupt nicht unangenehm ist. Wenn ich so schreiben könnte wie Judith Hermann, wäre es mir wurscht, wenn meine Heizung nicht ginge und im Kühlschrank nur ein vergammelte Dose gezuckerte Ananas stünde.

Autorin: Judith Hermann

Bei amazon: Buch

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

In 168 Episoden erzählt Altmann wortgewaltig von seinen Kinderjahren, einem Leben zwischen Kirchengang, Gewalt am Mittagstisch und dem Betteln nach Liebe. Ein Leben zwischen Verzweiflung, Wut, Religion und Hoffnung. Als katholisch erzogenes Kind mit Religionsunterricht im Staate Honecker habe ich dieses Buch förmlich verschlungen. Altmann kehrte seiner Familie den Rücken und die Wunden heilten, aber der Schorf, der sich jahrzehntelang wie eine Decke über sein Herz gelegt hat, sorgt dafür, dass der Autor einen so schonungslosen, nie larmoyanten Einblick in seine zerrüttete Kindheit gewähren kann und den Leser mitreißt, in eine Welt der Scheinheiligkeit. Hin- und wieder sucht man zwischen diesen wuchtigen Zeilen nur eines: den Notausgang, den Altmann nicht hatte. Weiterlesen muss man trotzdem.

Autor: Andreas Altmann

Bei amazon: Buch | E-Book
]]>
http://fuenfbuecher.de/verena-maria-dittrich/feed/ 0
210. Fünf Bücher von Kathrin Koehlerhttp://fuenfbuecher.de/kathrin-koehler/ http://fuenfbuecher.de/kathrin-koehler/#comments Fri, 24 Jan 2014 22:42:05 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6779 Weiterlesen ]]> Kathrin Koehler ist Quartals-Leserin. In den Ferien rockt sie schon mal einen halben Meter runter, dann fasst sie wieder wochenlang keine einziges Seite an. Das mag wohl daran liegen, dass sie dann zu abgelenkt ist von Job und Familie, Sport und dem Leben an sich. Kathrin aka @berlin_zentrale lebt als Trainerin und Beraterin im und mit dem Internet. Sie begleitet Einsteiger ins Soziale Netz bei deren ersten Schritten, sucht gemeinsam mit ihnen nach dem Mehrwert dieses ganzen Geträllers und berät Unternehmen hinsichtlich ihrer kommunikativen Aktivitäten in diesen spannenden Zeiten der digitalen Transformation.

Kathrin Koehler

Die Mathematik der Nina Gluckstein

„Lanzarote, Dez ´97“, habe ich in diese Novelle von Esther Vilar hinein geschrieben –erstaunlich, dass ich mein Original überhaupt noch besitze. Bücher sind für mich durchlaufende Posten. Ich schmücke damit keine Wände, sie liegen gestapelt an mehreren Stellen zu Hause herum und wechseln nach der Stapellage beim Ausmisten zum Verrotten in den Keller. Eine Schande, aber so ist es. Doch diese Novelle blieb, sie zog mehrfach mit mir um: das haben vielleicht 20 meiner Bücher geschafft. Zum Werk: ich fand und finde es nach wie vor abstrus, sich der Liebe an sich mit der Logik der Mathematik zu nähern. Und doch leitet Vilar die Liebensformel systematisch her, indem sie die Magie einer besonderen Beziehung und ihrer Entstehung, die auf eindeutiger Berechnung basiert, seziert. Sie liefert ein Geheimnis, das jede_r kennen und deshalb unbedingt dieses Buch sollte. Mir hat das Wissen darum nicht geschadet…

Autorin: Esther Vilar

Bei amazon: Buch

Die Brille mit dem Goldrand

Dieses Buch ist erschreckend düster und war für mich doch gleichsam fesselnd – ich habe es wohl so um 1986/87 gelesen und bin als Tennie im Weltschmerz dieser Geschichte gleich mit ersoffen. Dr. Fadigati ist ein anerkannter Arzt 1938 in Ferrara, und obschon über seine Homosexualität gemunkelt wird und er als Jude unter der antisemitischer Stimmung leiden könnte, schließt ihn die Gesellschaft des Ortes erst aus, als er sich öffentlich mit einem jungen Geliebten zeigt. Seine Liebe wird nicht erwidert, im Gegenteil erfährt er ebenfalls öffentlich eine harte Demütigung, die ihn schließlich in den Tod treibt. Gern würde ich die Verfilmung mit Philippe Noiret und Rupert Everett in den Hauptrollen einmal wieder sehen um zu schauen, wie ich heute auf diese Geschichte reagiere.

Autor: Giorgio Bassani

Bei amazon: Buch

Jacke wie Hose

Bingo ist von einem Feminismus gesprägt, wie ich ihn schätze – dem ohne Seitenhiebe auf das männliche Geschlecht. Wir lesen uns durch fast 100 Jahre Leben zweier Schwestern in den USA, durch ein Sitten- und Schichtengemälde. Wheeze und Juts streiten im Grunde unablässig miteinander und dabei passieren eben die Dinge des 20. Jahrhunderts. Grandiose Dialoge! Grandiose Charaktere! Grandioser Humor! „Bingo“ ist eines dieser Bücher, die nie nie nie enden dürften. Glücklicherweise schrieb Mae Brown mit „Jacke wie Hose“ so etwas wie eine Fortsetzung. Ich schummele hier also Empfehlung 3 b) mit ein – wir erleben dabei die ergrauten Hunsenmeier-Sisters, die sich um einen männlichen Neuzugang im Dorf balgen. Die Autorin hat zudem gefühlte 20 Kriminalromane geschrieben, in denen die Katze Sneaky Pie Brown Koautorin ist und die Fälle löst. Ich stehe nicht in dem Verdacht, eine Katzenfreundin zu sein, aber ich denke, es könnte für die Cat-Content-Akkumulierer hier in diesem Internet von Interesse sein. Selbst davon las ich ein paar und genoss zumindest den Humor.

Autorin: Rita Mae Brown

Bei amazon: Buch

The Bestseller

Ok, ich lese gern Pop und Trash. Und Olivia Goldsmith schreibt Pop at its best. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich ihr Gesamtwerk gelesen und empfehle diesen Insider-Roman aus der (Buch-)Verlags-Branche. Ein Episoden-Buch, sie erzählt fünf Autoren-Stränge, die sich auch noch miteinander verweben – wunderbar. Das Schöne an Goldsmith: Ihr Englisch ist gut lesbar, ich nutze es ebenso wie John Grisham für meine Lessons in Form von Unterhaltungsliteratur (haltet bitte Eure Kinder davon ab, Englisch in der elften Jahrgangsstufe abzuwählen – falls das heute überhaupt noch möglich ist). Oder lest halt auf Deutsch. Aber lest!

Autorin: Olivia Goldsmith

Bei amazon: Buch

Owen Meany

Das Buch der Bücher. Nie wieder so gelacht, so geweint, so geflucht, so verstört und gleichsam so begeistert gewesen bei und nach Lektüre eines Buches. Warum ich fluchte: Ich musste es andauernd aus der Hand legen um zu arbeiten. Seitdem macht alles im Leben Sinn.

Autor: John Irving

Bei amazon: Buch | E-Book
]]>
http://fuenfbuecher.de/kathrin-koehler/feed/ 0
209. Fünf Bücher von Jo Lendlehttp://fuenfbuecher.de/jo-lendle/ http://fuenfbuecher.de/jo-lendle/#comments Thu, 09 Jan 2014 21:49:38 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6767 Weiterlesen ]]> Jo Lendle liest (ab 2014 als Hanser-Verleger) und schreibt (zuletzt „Was wir Liebe nennen“).

5? Von sämtlichen je erschienenen Büchern? Solche Fragen mag ich ja am liebsten. Dabei lassen sich Lieblingsbücher ebenso schlecht bestimmen wie Lieblingskinder. Bleiben zwei Auswege. Entweder man nennt die Bücher der Stunde, denen man gerade jetzt Vertrauen schenkt. Das wäre ohnehin meine Lieblingsverwendung für den Begriff „Liebling“. Nichts ist so intensiv wie der Moment einer Entdeckung. Oder man nennt die Lebensbücher, die ewigen Begleiter, die – abgenutzt wie ein angesabberter Teddy – immer schon da waren, seit Ewigkeiten nicht mehr hinterfragt oder nur hinter einem Schleier aus Rührung über das Vergehen der Zeit. (Jim Knopf vorlesen und erschrecken, wie kurz die Fahrt durchs einstürzende Tal der Dämmerung ist, die als Kind Stunden aus Todesangst bescherte.) Weil Momente so rasch wechseln, scheint mir das in diesem Fall die angemessenere Wahl zu sein. Hier also einige Bücher, mit denen ich einmal, vor jeder Verlagsarbeit, zu lesen gelernt habe.

Jo Lendle

Das Kopfkissenbuch einer Hofdame

Tausend Jahre alt. Die entzückende Sammlung von Momenten und Beobachtungen macht Sei Shonagon zur Ururgroßmutter der Aufmerksamkeit. Sie notierte alles, was ihr als Hofdame am japanischen Kaiserhof so auffiel – das Prinzip lässt sich leicht auf abweichende Lebenssituationen übertragen. Am liebsten entwarf sie Listen, die ja überhaupt eine der beglückendsten Literaturgattungen sind. Das Büchlein lag nicht nur bei Sei Shonagon unterm Kopfkissen, sondern sollte das bei jedem heutigen Lesern tun – trägt eh kaum auf.

Autorin: Sei Shōnagon. Illustratorin: Masami Iwata. Übersetzer: Mamoru Watanabé.

Bei amazon: Buch

schlechte Wörter

Ein Anfangssatz: „Wir haben jetzt Flecken auf unseren Sesseln.“ Was soll man sagen? Keine Ahnung, wovon die 22 Miniaturen handeln, aber sie ziehen einem die Schuhe (etc.) aus. Wer Sprunghaftigkeit mag, wird „Schlechte Wörter“ lieben. Nebenbei ist das ein hervorragender Buchtitel – und passt so schön zu Atwoods „Good bones“, die hier ebenso stehen könnte. In der Musik gibt es Programmmusik und absolute Musik: Erstere ist das jedenfalls nicht. Mark Twain schrieb vorn in seinen Huck Finn: „Persons attempting to find a plot in it will be shot.“ Das trifft es ganz gut.

Autorin: Ilse Aichinger

Bei amazon: Buch

Le grand cahier

Aus Kinderperspektive zu schreiben ist fast unmöglich. Hier gelingt es. Allerdings so, dass man nie wieder Kind sein will. Weil die beiden Zwillinge, die ihre Geschichte im großen Heft notieren, sich durch dieses Schreiben panzern gegen die Zudringlichkeiten der Welt. Das gibt dem Buch eine strenge Unerbittlichkeit. Sie hält die Kinder aufrecht und erschlägt den Leser aufs Erfreulichste.

Autorin: Ágota Kristóf

Bei amazon: Buch | E-Book

Übersetzen. Ein Vademecum

Weil man beileibe nicht nur übersetzen darin übt. Sondern hören, stutzen, knabbern, denken. Ein Ausflug in die recht weitläufige, oft weglose, bisweilen ausweglose Landschaft des Stils. Wäre Sprache eine Weltraummission, dies wäre der Flugsimulator. Rüttelt gut durch.

Autorin: Judith Macheiner

Bei amazon: Buch

Das ungeschriebene Buch

Ein Buch, von dem man denkt, es sollte mal geschrieben werden. Jeder hat eine Vorstellung davon, aber keiner kennt es genau. Manchmal erwischt dich – im Park, unter der Dusche, beim Einschlafen – eine Ahnung, was darin stehen könnte, undeutlich wie der Lufthauch einer Seite beim Umblättern. Und viel zu kurz, um mitzuschreiben. Was schade ist, denn alles deutet darauf hin, dass es wirklich überwältigend ist, unerhört, ein Fest. Es gibt dieses Buch nicht, aber es sollte es geben.

]]>
http://fuenfbuecher.de/jo-lendle/feed/ 0
208. Fünf Bücher von Andreas Brendthttp://fuenfbuecher.de/andreas-brendt/ http://fuenfbuecher.de/andreas-brendt/#comments Mon, 30 Dec 2013 20:10:00 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6760 Weiterlesen ]]> Andreas Brendt liebt Wellen, warmes Wasser, Surfen, Sonnenaufgänge, schöne Länder und deren Bewohner. Weil er am liebsten alles auf einmal haben wollte, hat er die einige Jahre lang die Welt bereist und sich die Reisen als Surflehrer finanziert. Unter anderem hat er das größte deutsche Surfcamp in Frankreich geleitet, Surflehrer ausgebildet und die Nationalmannschaft als Trainer bei den WMs in Portugal und Peru betreut. Um auch andere mit seinem Fernweh anzustecken hat Andreas seine Erlebnisse niedergeschrieben und 2012 in seinem Roman “Boaderlines” veröffentlicht.

Andreas Brendt

So was von da

Unangefochten auf Platz 1 steht Sowasvonda von Tino Hanekamp. Als ich die letzte Seite zu Ende gelesen habe, musste ich SOFORT wieder von vorne anfangen. Das Buch ist sprachlich eine Wucht. Starke Worte und Satzkonstruktionen, die so voller Melodie stecken, dass eine Leseatmosphäre entsteht, die einen voll mitnimmt. So erlebt man aus nächster Nähe 24 Stunden im Leben von Tino: Die Vorbereitung und Durchführung einer letzten, legendären Party in seinem kurz vor dem Abriss stehenden Club. Die auftauchenden Charaktere sind einmalig. Mal unglaublich liebenswert, mal gemeingefährlich, aber in jedem Fall so real, als wenn sie gerade im Nebenzimmer hocken. Die Ereignisse sind skurril, lustig und im Verlaufe der Geschichte stellt sich sogar Tiefsinn ein. Aber nicht zu lange, weil es schon wieder weitergeht und man nur noch miterleben, wohin sich dieser letzte aller Abende hinbewegen wird. Und plötzlich steht auch noch Matilda vor ihm. Ich habe das Buch 6 mal verschenkt. Ergebnis: Ausnahmslose Begeisterung! Lieblingsstelle? Ich habe keine, das ganze Buch ist eine.

Autor: Tino Hanekamp

Bei amazon: Buch | E-Book

Eine neue Erde

„Eine neue Erde“ fällt in die langweilige Kategorie Sachbuch. Aber es gibt niemanden, der die Zusammenhänge zwischen Ego oder Persönlichkeit sowie Kummer und Sorgen besser beschreibt als Eckart Tolle. Wer sich fragt, warum wir uns an manchen Tagen einfach nicht glücklich fühlen oder ganze Lebensphasen lang leiden, findet hier die Antwort. Und zwar mehr als klar formuliert, nachvollziehbar und einleuchtend. Ein Retter in der Not für jedes Alter. Pflichtlektüre für jeden Heranwachsenden, da wir verstehen sollten, wie wir ticken. Besonders mitten im Fernsehwahn und unserer werbeoptimierten Konsumwelt. Ein in unzählige Sprachen übersetzter Bestseller, der bereits die ganze Welt begeistert – und vielleicht auch ein Stück weit verändert hat.

Autor: Eckhart Tolle. Übersetzerin: Erika Ifang.

Bei amazon: Buch | E-Book

Kalte Asche

Im Urlaub lese ich gerne Krimis und die meisten sind durchschnittlich. Kalte Asche, sicher kein Geheimtipp, hebt sich von der Masse ab. Sprachlich gelungen und mit viel Geschick aufgebaut, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Die Atmosphäre auf der abgelegenen Insel ist gruselig. Die einzelnen Szenen stellen die Nackenhaare auf. Die Charaktere der eingeschworenen Gemeinde, die sich plötzlich einem Mordfall gegenübersehen, sind prägnant und trotzdem geheimnisvoll. Und dann geschehen weitere Morde. Das über die Insel herfallende Unwetter isoliert die Geschichte von der Außenwelt und spannt den Bogen. Der Inhalt dieses Buches ist voller Wendungen – bis zu aller letzten Seite. Super.

Autor: Simon Beckett. Übersetzer: Andree Hesse.

Bei amazon: Buch | E-Book

Shiva Moon

Von Helge Timmerberg gefallen mir eigentlich alle Bücher. In Shiva Moon verbindet er seine Kunst zu schreiben, besondere Momente einzufangen und Weisheiten ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln mit einer Reise durch das aufregendste Land der Welt. Indien. Wie jede Reise ist auch diese nicht nur voller Begegnung und Abenteuer, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Wenn sich das mit sprachlicher Brillanz und einfach reinem Lesevergnügen verbindet, kommt man in den Fluss. Und darum geht es hier: Eine Reise vom Ursprung bis zu Mündung (des Ganges) und allem, was das Leben dabei zu bieten hat.

Autor: Helge Timmerberg

Bei amazon: Buch | E-Book

Triffst du Buddha, töte ihn!

Ich habe viele Bücher von Andreas Altmann gelesen und finde einiges gewöhnungsbedürftig, weil er uns häufig mit erhobenem Zeigefinger die einzige (seine) Wahrheit mitteilen muss und andere Lebenskonzepte verschmäht. Manchmal stört mich diese Arroganz und das Sendungsbewusstsein, Abenteuer erleben zu müssen. Aber auf der anderen Seite schreibt er einfach zu gut, um ihn nicht zu lesen! In „Triffst Du Buddha töte ihn“ konzentriert es sich auf seine Stärken, auf sein Sprachtalent, und nimmt uns mit auf eine Reise zu einem Guru von dem er (noch) nichts weiß, außer das er ihn braucht. Er endet in einem Vipasanakurs und durchlebt 10 Tage Schweigemeditation. Mit allen Höhen und Tiefen. Das Buch macht seinen herausragenden Schreibstil sowie die wahre Geschichte dahinter aus. Starke Worte und schwungvolle Sätze katapultieren uns nach Indien und direkt in die große Meditationshalle. Ein Buch voller Kraft und Schönheit. Lesespaß garantiert und darüber hinaus mag der ein oder andere danach vielleicht in seine Fußstapfen (Vipasana) treten. Ich hab´s getan.

Autor: Andreas Altmann

Bei amazon: Buch | E-Book
]]>
http://fuenfbuecher.de/andreas-brendt/feed/ 0
207. Fünf Bücher von Sascha Lobohttp://fuenfbuecher.de/sascha-lobo/ http://fuenfbuecher.de/sascha-lobo/#comments Sun, 01 Dec 2013 20:04:56 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6745 Weiterlesen ]]> Sascha Lobo

Dass es mir nicht leicht fällt, fünf Bücher auszuwählen, liegt an meinem Lieblingsverhalten. Es mag den Begriff Lieblingsverhalten (also wie man sich zu Lieblings-Wasauchimmer verhält) bisher nicht geben, aber das ist vielleicht Teil des Problems. Um das zu erklären, muss ich ausholen. Weit. Das Motto von fuenfbuecher.de heisst ja: “Welche fünf Bücher bedeuten dir soviel, dass du sie nicht mehr hergeben würdest?” Das ist sehr geschickt gefragt, weil es den kitschig-kindlichen Begriff Lieblingsbuch umschifft, aber inhaltlich voll abbildet. Denn auf den ersten Blick, auf den ersten Gedanken hin hat praktisch jeder fünf Bücher, die ihm die Welt bedeuten. Oder aber: zu einem bestimmten Zeitpunkt bedeutet haben. Und da liegt die erste Sollbruchstelle.

Mein Lieblingsverhalten – von dem ich lange dachte, es wäre selten, dann aber bemerken musste, dass es total middle of the road ist – ist bei sämtlichen Kulturgütern phasal. Ich weiß gar nicht, ob es das Wort phasal überhaupt gibt, aber wenn man schon ein erfundenes Wort erklärt (Lieblingsverhalten), dann bietet es sich geradezu an, dafür ein anderes erfundenes Wort zu verwenden, nämlich phasal, das hier natürlich “in Phasen” bedeutet. Im Lauf der Jahre hatte ich schon zehn Dutzend Lieblingsbücher, mindestens. Eigentlich, ehrlicherweise, müsste ich sogar sagen, dass mein Lieblingsverhalten situativ ist. Was bedeutet, dass ich jedes Mal, wenn ich überlege, welche Lieblingsbücher ich überhaupt habe, auf andere Ergebnisse komme. Mit Liedern ist es genauso, ich bin ein total volatiler Charakter offenbar, OMG. Am eindrücklichsten habe ich das mal nachts an einem Strand in Spanien gemerkt, wo ich auf meinem Musikabspielgerät eine Miniplaylist hatte, die nur aus zwei Songs bestand, nämlich “Waiting in vain” von Bob Marley und “Got til it’s gone” von Janet Jackson. Ich habe sie allein am Strand, nur akkompaniert von einer Flasche gefühlt teuren Rotweins die ganze Nacht hindurch gehört, mit Kopfhörern auf voller Lautstärke. In diesen Stunden hätte ich nicht bloß diese beiden Lieder als absolute All-Time-Favourite Lieblingslieder bezeichnet, sondern geschworen, dass es sich um die größten Kompositionen aller Zeiten und Welten gehandelt hätte, wenn ich mich richtig erinnere, war der Entschluss am Nachtstrand schon gefasst, mir die brillanten Textzeilen auf den Körper tätowieren zu lassen. Am nächsten Mittag, nach dem Aufwachen, erschien mir der eine Song schmalzig und der andere beliebig. Von meiner eigenen emotional-kulturellen Unzuverlässigkeit verstört, wenn nicht angewidert, verbrachte ich den Tag an einer Heliotrop-Blüte riechend, mit meinem Lieblingsblumengeruch also.

Mit Büchern bin ich auch ohne Alkoholeinfluss ähnlich situativ. Regelmäßig wird man als Autor nach seinem Lieblingswerk gefragt, und dann antworte ich in der Regel mit einem Werk, das ich a) einigermaßen gut kenne (was bei einem mittelschlechten Gedächtnis einiges bedeutet und keinesfalls gleichzusetzen ist mit “schon gelesen”) und das b) möglichst wenig Nachfragen oder gar Begründungwünsche generiert. Erfahrungswert: je Klassiker, desto Nichtfrage. Wenn das – was bei mir häufiger passiert – als zu platt empfunden würde, bietet sich ein großartiger Trick an. Man nehme einen superbekannten Superklassiker-Schriftsteller. Und gebe als Lieblingsbuch aber nicht dessen Großwerk an, sondern ein eher unbekanntes oder gleich erfundenes. Es werden keine Nachfragen kommen, aber man kann als abseits des Bildungsmainstream hochintellektuell und kenntnisreich glänzen (“Goethe, und zwar seine Farbenlehre! Wissenschaftlich völlig falsch natürlich, aber grandios welterkennend hergeleitet”).

Als Conclusio dieser weitläufigen Erklärung kann ich also nun sagen, dass die folgenden fünf Bücher diejenigen fünf favorisierten Bücher sind, die ich an einem sonnigen, aber kalten Novembertag auswählen würde. Schon zwei Kaffee später würden es andere gewesen sein, aber das Leben besteht ohnehin aus ungelenk verknüpften Momentaufnahmen, dem Bemühen, aus diesen Momentaufnahmen schlau zu werden und das Analyseergebnis anschließend irgendwie vermittels verschiedener Ablenkungs- und Betäubungsmittel zu bewältigen. Dann stirbt man oder kurz vorher schon.

Das unbekannte Buch

Und gleich der erste Titel der fünf ist auch noch ein Reinfall, bzw. völlig unkonkret. Es ist nämlich kein Buch, sondern eher eine Art Denkmal für alle Bücher, die schemenhaft geblieben sind und Lieblingswerke hätten werden können. Aber irgendwie nicht geworden sind. Wenn man damals nur die Kraft gehabt hätte, zum Beispiel, das in einem Akt des vor sich selbst Angebens angefangene “Du côté de chez Swann” im französischen Original zu Ende zu lesen und nicht nach fünfzig Seiten und zwei zerschlissenen Lexika wegen der Entwicklung einer Proust-Allergie aufgehört hätte – dann. Oder dieses andere Buch mit orangenem Linnen bezogen, im Urlaub, hart an der Grenze zum Schund, aber an der richtigen Seite der Grenze; eine Art Sternenkrimi aus den fünfziger Jahren, der Umschlag war verloren, der Titel war nicht aufs Buchcover geprägt, daher nicht mehr erinnerlich. Das erste der fünf Bücher ist also ungefähr, als würde man auf den Proust-Fragebogen bei der Frage nach dem Lieblingshelden in der Geschichte “Der unbekannte Soldat” sagen.

Arbeit und Struktur

Dieses Buch von Wolfgang Herrndorf ist eigentlich ein Blog, zu finden unter wolfgang-herrndorf.de. Kathrin Passig und ich haben Wolfgang dieses Blog aufgeschwatzt, das er inhaltlich zuvor in einem nichtöffentlichen Forum aufschreiben wollte. Der Text gehört zum eindrücklichsten, was ich jemals gelesen habe. Wenn man das Buch liest, lässt sich die Entstehung zumindest erahnen. In “Arbeit und Struktur” sind auf Wolfgangs Wunsch auch Textteile zu finden, die er nicht ins Netz gestellt hat. Und abgesehen vom Buch zeigt das Blog, wozu es Blogs überhaupt gibt.

Autor: Wolfgang Herrndorf

Bei amazon: Buch | E-Book

An Essay Upon Projects

Daniel Defoe kennt natürlich jeder als Verfasser von “Robinson Crusoe”. Weniger bekannt ist, dass er selbst auch eine Art Abenteurer war. Nicht so sehr der Sorte Crusoe, eher wirtschaftlich betrachtet. Lange vor seinem literarischen Welterfolg 1719 (der ihm satte 50 Pfund einbrachte und seinen Verleger reich machte) schrieb er einen längeren Aufsatz mit dem Namen “Upon Projects” (1697 als Büchlein veröffentlicht). Er spürt darin dem Projektemacher nach, dem Typus Mensch, der mit neuen Geschäftsideen die Welt revolutionieren, mindestens aber reich werden möchte. Je tiefer seine witzige und offensichtlich auch selbstreflektierte Beschreibung geht, desto mehr stellt sich das Gefühl ein, dass es schon Ende des 17. Jahrhunderts genau die Leute gab, die heute von New Economy bis Finanzkrise für ungefähr alle Crashs und Krisen verantwortlich sind. Defoe selbst hatte einen Recht projektorientierten, schillernden Lebenslauf: er sollte Priester werden und arbeitete stattdessen als Wein-, Woll- und Tabakhändler, Handelskaufmann, Gründer einer Ziegelei, Herausgeber einer Zeitschrift, Journalist, Geheimagent, Zibetkatzenzüchter (um Parfum herzustellen), Kirchenkritiker, Gefängnisinsasse (woraus er sich befreite, indem er für die Gegenseite zu spionieren anfing) sowie natürlich als Schriftsteller. Ein Vorbild.

Autor: Daniel Defoe

Bei amazon: Buch | E-Book

Der ewige Spießer

Ein unbekanntes Buch, ein Blog, ein uraltes Buch – kommt jetzt wenigstens endlich mal was vernünftiges? Ja. Es kommt mein Lieblingsbuchfavorit, seit vielen Jahren schon eigentlich eine Konstante im Lieblingsbuchreigen. Unter anderem, weil man einen besseren Vornamen als Ödön von Horváth man schon mal gar nicht haben kann. Ödön. Ich weiss nicht mehr ganz genau, wann ich dieses Buch zum ersten Mal las, aber es war in einer schwierigen emotionalen Gesamtsituation, es kann sich also nur um die Jahre 1991, 1992, 1993, 1995, 1997, 1998, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2008 oder 2009 handeln. Das Buch bescherte mir damals die beste halbe Stunde des dazugehörigen Jahres. Der Grund dafür ist einfach: “Der ewige Spiesser” von Ödön von Horváth, ein Kurzroman aus dem Jahr 1930, enthält den lustigsten Satz der Literaturgeschichte. Ich muss wiederum etwas ausholen und erläutern, dass mich der Begriff “Bohème” seit vielen Jahren verfolgt, er gärte praktisch in meinem Kopf innen drin, bevor er sich dann in einem auch für mich überraschenden Seitenschlot 2006 heftig entlud und gemeinsam mit Holm Friebe zur Entwicklung des Begriffs “Digitale Boheme” für unser Buch “Wir nennen es Arbeit” führte. Dementsprechend heftig habe ich bei der Lektüre des Buchs reagiert, als auf Seite 181 kurz hintereinander erst der Begriff Bohemien und dann sofort der lustigste Satz der Literaturgeschichte auf mich einstürzte, ich erinnere mich doch wieder, es muss im Herbst 2004 gewesen sein, ich saß mit einer perfekt temperierten, also kondensiertaubildenden Flasche Augustiner in der abgewracktesten Strand- bzw. viel mehr Stegbar Berlins, dem Club der Visionäre, las diesen Satz und alles war gut. Eventuell hat mich dieser Satz gerettet, denn ich war damals in desolater Stimmung und brauchte den monatlichen Weltvorrat an Selbstmitleid in der Regel in drei bis vier Stunden ganz allein auf. Der Satz aber riss mich jählings heraus, ich bekam wieder Luft, der Himmel klarte auf, die Nacht wurde warm und der ganze folgende Tag strahlte golden über meinem Kopf bis heute. “Soziologisch betrachtet, stammte er aus k. u. k. Offiziers- und Beamtenfamilien, aber er hatte nie was übrig für das Bürgerliche. Er war der geborene Bohemien. Bereits 1905 ging er ohne Hut.” Bereits 1905 ging er ohne Hut – das Spiel ist aus, lustiger kann es nicht mehr werden.

Autor: Ödön von Horváth

Bei amazon: Buch | E-Book

Mythos der Maschine

Das letzte Buch ist exemplarisch zu verstehen. Es könnte auch “Das Zeitalter der Nervosität” von Joachim Radkau da stehen oder “Mensch und Menschmaschine” von Norbert Wiener, aber es ist halt Mumford. Exemplarisch deshalb, weil ich bei der Beschäftigung mit der digitalen Welt in den letzten Jahren – insbesondere seit dem großen Erfolg der sozialen Medien – immer stärker in die jüngere Geschichte der Technologie gerutscht bin. Es ist bestürzend bis erhebend, je nach Perspektive, wie viel von der vermeintlich völlig neuen Welt des Internet schon lange, lange zuvor gedacht und durchdrungen wurde. “Das war doch klar”, entgegnen dann Schlaumeier, aber das war überhaupt nicht klar. Im Gegenteil, viele der Parallelen sind eben nicht so offensichtlich, dass sie irgendwie “klar” wären. Mumford wird ab und an als Kulturpessimist bezeichnet (stand auf Wikipedia, hab ich aber noch nie ernsthaft gehört), aber das ist er natürlich nicht. Im Gegenteil eigentlich, er baut eine Idee der Maschine auf, die sich von der Technologie weitgehend ablöst und als Prinzip mit der Gesellschaft verschmilzt. Das Buch fängt vergleichsweise zäh an, ist in der Mitte etwas zäh, bevor es zum Schluss hin an Zähigkeit kaum abnimmt. Dafür ist es vollgestopft mit klugen Gedanken, Erklärungen, Parallelen zu Globalisierung und zur digitalen Vernetzung (das Buch ist von 1967). Die Bücher, die hier auch stehen könnten, umfassen zum Beispiel Manuel Castells “Das Informationszeitalter” oder, etwas interessanter als aufschlussreich, “Der Zukunftsschock” (1970) von Alvin Toffler. In dieser Blaupause des leicht alarmistischen Plaudersachbuchs habe ich etwas gefunden, was nichts weniger ist als die Vorhersage von Hackergruppen oder auch einer sozialen Gruppierung wie Anonymous: “Wir können mit neuen Subkulturen rechnen, die sich mit Weltraumforschung, Lasertechnik … Computer-Spielen und dergleichen befassen. Auch das Entstehen von Freizeitkulturen, die sich gegen die Gesellschaft richten, zeichnet sich bereits am Horizont ab, fest organisierte Zusammenschlüsse von Leuten, die die Errungenschaften der Gesellschaft nicht aus materiellen Gründen, sondern nur, um aus Spaß ‘das System zu schlagen’, in Frage stellen. … Solche Gruppen könnten versuchen, in Computervorhaben von Behörden oder einzelnen Firmen herumzupfuschen”.

Autor: Lewis Mumford

Bei amazon: Buch
]]>
http://fuenfbuecher.de/sascha-lobo/feed/ 0
206. Fünf Bücher von Jenny Merlinghttp://fuenfbuecher.de/jenny-merling/ http://fuenfbuecher.de/jenny-merling/#comments Sun, 24 Nov 2013 11:42:32 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6737 Weiterlesen ]]> 1983 geboren, in Potsdam aufgewachsen. Einem kurzen, unglücklichen Lehramtsstudium folgte ein langes, sehr glückliches Literaturübersetzenstudium. Zwischenstopps in den USA und Russland wirken bis heute nach, beruflich übersetzt wird aber nur aus dem Englischen ins Deutsche. Das seit 2011. Und wenn’s nach ihr geht, auch für immer. Denn was Schöneres gibt’s einfach nicht.

Jenny Merling

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt

Oh, Fallada. Dank eigener leidvoller Lebenserfahrungen der absolute Meisterschriftsteller, wenn es um Ausweglosigkeit geht. Es sind die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, der Alltag ist geprägt von Arbeitslosigkeit und Verzweiflung. Auf jemanden wie Willi Kufalt, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat da niemand gewartet. Er möchte zurück ins normale Leben. Das Leben möchte ihn aber nicht mehr haben. Willi ist trotzdem fest entschlossen, seinen Weg zu finden und diesmal dabei ehrlich zu bleiben. Er kämpft, erniedrigt sich, scheitert, gibt auf, versucht’s erneut. Das Leben lässt nicht mit sich reden.

Autor: Hans Fallada

Bei amazon: Buch | E-Book

Marry Me

Es muss nicht immer alles ausweglos sein. Bedrückend geht auch. Und das kann John Updike gut. Ruth und Jerry sind miteinander verheiratet, Sally und Richard ein befreundetes Ehepaar. Unabhängig voneinander fangen alle vier – über Kreuz – jeweils eine Affäre miteinander an. Ruth und Richard merken schnell, dass sie in ihren jeweiligen Ehen doch besser aufgehoben sind und beenden die Sache einvernehmlich. Zu dumm nur, dass Sally und Jerry so richtig verliebt sind, sich von ihren jetzigen Partnern trennen und gemeinsam ein neues Leben anfangen wollen. Denn bei ihnen ist ja alles anders, ihre Liebe übersteht den Kummer, den sie den anderen und sich selbst machen, so wie sie hat ja noch keiner geliebt. Jawollja. Selten so geweint bei einem Buch.

Autor: John Updike

Bei amazon: Buch | E-Book

Geschichten um Triinu und Taavi

Ein estnisches Kinderbuch aus den Siebzigern. Die einzelnen Geschichten über die eineiigen Zwillinge und ihre Familie sind im Durchschnitt 15 Zeilen lang und in Fibelschrift gedruckt. Aber so liebevoll, klug, lebensbejahend, respektvoll, einfach nur toll, dass ich sie immer wieder lese. Der Nachname der beiden lautet übrigens Tammik, was auf deutsch Eichenwald heißt, wie uns das Buch lehrt. Ihrer Meinung nach ist das natürlich der schönste Familienname auf der ganzen Welt, und zwar weil „er der ihre […] und im Sommer grün ist und im Herbst voller Eicheln.“

Autorin: Ellen Niit. Illustrator: Edgar Valter.

Bei amazon: Buch

The Mists of Avalon

Ach ja. Ein Fantasyroman, den ich sonst gern verlegen als mein guilty pleasure bezeichne, womit ich jetzt und hier aber endgültig aufhöre, denn: Ich halte es ganz ehrlich für ein unglaublich gutes Buch. Der Klappentext beschreibt es als die Artus-Sage aus dem Blickwinkel der involvierten Frauen. Das kann man so sehen, denn es geht tatsächlich vordergründig um König Arthurs Mutter, Schwester, Ehefrau und noch eine ganze Reihe weiterer weiblicher Verwandte. Ich meine aber, es hätte Arthur ebenso wenig gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen, wie die Fantasyaspekte. Mehrere Generationen von Frauen, alle dreidimensionale Charaktere, alle unperfekt und wundervoll und menschlich. Fantastische Figurenentwicklungen. Hat mir viel über mich selbst und zwischenmenschliche Beziehungen beigebracht und wird deshalb regelmäßig wieder gelesen.

Autorin: Marion Zimmer Bradley

Bei amazon: Buch | E-Book

Das Muschelessen

Mutter, Sohn und Tochter warten mit dem Abendessen auf den Vater. Der verspätet sich, man fängt an zu reden, und je weiter der Abend voranschreitet, umso offener rechnen die drei mit dem abwesenden Vater und der ganzen Familie ab. Man redet zum ersten Mal wirklich ehrlich miteinander, anfangs fast noch ungläubig über den eigenen Mut, über die eigene Stimme, die trotz des Patriarchen und der eingespielten Dynamik der Familie eben doch noch da ist. Es steckt sehr viel Atemlosigkeit in dieser Erzählung – vielleicht aus Angst, der Vater könnte nach Hause kommen, bevor alles gesagt ist, vielleicht aus Erleichterung darüber, dass man endlich spricht und feststellt, man ist nicht allein.

Autorin: Birgit Vanderbeke

Bei amazon: Buch
]]>
http://fuenfbuecher.de/jenny-merling/feed/ 0
205. Fünf Bücher von Johannes Finkehttp://fuenfbuecher.de/johannes-finke/ http://fuenfbuecher.de/johannes-finke/#comments Mon, 11 Nov 2013 22:38:17 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6699 Weiterlesen ]]> Johannes Finke wurde 1974 in Marbach geboren und lebt heute in Berlin. Dort betreibt er zusammen mit anderen die Bravo Bar in der Torstraße. Irgendwann davor gründete er einen Lautsprecherverlag, den er zehn Jahre lang leitete. Johannes bloggt und schrieb bereits für Spex, Intro und Vanity Fair, seinen Gedichtband „Sex mit Monika Kruse oder Stell Dir vor es ist Pop und keiner geht hin!” und zuletzt für den Kurzprosaband „Berlin bei Nacht“. Kürzlich erschien das aktuelle Album seiner Band „The Camping Group“.

Johannes Finke

Gnadenlos

Von keinem habe ich mehr über das Leben und das Schreiben gelernt, als von ihm. Seine Texte und Bücher strotzen vor Leben und sind dabei doch so verloren. Das eigene Schreiben litt stets unter Sucht und Zwängen, sich zu spüren, wenigstens einmal, das war etwas konkretes, das ist etwas konkretes. „Die Achtziger wollten kalt sein. Die Neunziger waren es.“ Keiner weiß das besser als Schiemann. „Gnadenlos“ ist sein neuestes Buch mit Gedichten und kurzen Abrissen, ein Einblick in das Seelenleben eines Suchtkranken in unserer Zeit, in Deiner und in meiner Nähe, immer bereit Menschlichkeit zu opfern, immer bereit für den nächsten Arschtritt.

Autor: Philipp Schiemann

Bei amazon: Buch

Endstufe

Wenn jemals ein Buch vor seiner Zeit erschien, dann diese großartige Geschichte über gelangweilte, modebewusste Nazikader, die der geistigen Leere überdrüssig anfangen Naturfilme zu drehen, denn so nannte man damals die für die Frontsoldaten als Motivation und Ablenkung gedachten Pornofilmchen. Sex und Nazis. Porsche und Uniformfetisch. Vergewaltigungen und das Finden von Kurzweil und persönlichem Frieden. Wenn man es genau betrachtet hat sich nicht viel verändert, bis auf dass Hugo Boss bei der Fashion Week keine SS-Uniformen mehr zeigt. Seit Jahren warte ich auf eine ernsthafte Verfilmung. Dass es in Deutschland die richtigen Schauspieler dafür gibt, konnte man die letzten Jahre in Filmen wie „Unsere Väter, unsere Mütter“ und „Inglorious Bastards“ sehen. Vielleicht wird das noch was.

Autor: Thor Kunkel

Bei amazon: Buch

Imperium

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass „Faserland“ eine Ausgeburt des Bösen war, arrogant und selbstverliebt, hochnäsig und hedonistisch, ohne jedoch heldenhaft zu sein, die falsche Richtung weisend und humanistische Werte, Zeitgeschichte und Kunst verachtend. Dass Kracht viele Jahre später mit „Imperium“ ein Buch vorlegt, dass gesellschaftlichen Dissonanzen drastisch aufdeckt und durch die Hintertür der Seefahrer-, Südsee- und Abenteurer-Romantik dem Diskurs der Ewig-Gestrigen einen gehörigen Arschtritt verpasst, hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Und den Menschen hinter den Büchern muss man ja nicht mögen.

Autor: Christian Kracht

Bei amazon: Buch | E-Book

Westwärts 1 & 2 – Gedichte

Fauser, Fichte, Brinkmann, da wurden sprachlich Weichen gestellt und planmäßiges wurde zur Geisterfahrt, bis heute. Unerschrocken muss man sein, sich durch „Westwärts 1 & 2. Gedichte“ zu lesen. Für mich immer mehr Spaziergang als Hindernislauf, berauschend, ehrlich, verschachtelt und vielschichtig wie das Leben. Eine Klaviatur des Virtuosen, die lyrische Vermählung des Privaten mit dem Politischen. Seit Brinkmann ist die deutsche Lyrik klinisch tot, Hirnfunktionen nicht mehr messbar, es geht nur noch darum rumzuliegen, dort Platz zu beanspruchen, wo anderes und andere viel sinnvoller gestalten könnten. Literaturbetrieb sucks. Lyrik rockt. Ich weiß das.

Autor: Rolf Dieter Brinkmann

Bei amazon: Buch

Der Anschlag

Nach einer kleinen Vielzahl seiner Bücher war ich mit vierzehn durch mit dem Autor Stephen King. Das zumindest dachte ich. „Der Anschlag“ hat mich eines besseren belehrt. King ist im Olymp der zeitgenössischen, amerikanischen Hochliteratur angekommen und hat in diesem Jahr, in dem sich Kennedys Todestag zum 50. mal jährt, einen historisch-fantastischen Roman vorgelegt, der am historischen Selbstverständnis von Gut und Böse zweifeln lässt. Zudem ist das eine der ganz großen Liebesgeschichten.

Autor: Stephen King. Übersetzer: Wulf Bergner.

Bei amazon: Buch | E-Book
]]>
http://fuenfbuecher.de/johannes-finke/feed/ 0
204. Fünf Bücher von Patrick Breitenbachhttp://fuenfbuecher.de/patrick-breitenbach/ http://fuenfbuecher.de/patrick-breitenbach/#comments Mon, 04 Nov 2013 06:00:23 +0000 Philippe Wyssen http://fuenfbuecher.de/?p=6701 Weiterlesen ]]> Patrick Breitenbach lehrt “New Media Culture”, “Social Media Lab” und “E-Business” und ist digitaler Botschafter an der Karlshochschule in Karlsruhe. Weil ihm das Internet so viel Freude bereitet, arbeitet er nebenher zudem als freier Berater, Stratege und Konzepter. Damit noch nicht genug. Gemeinsam mit Nils Köbel gewann er 2013 mit seinem philosophisch-soziologischen Podcastformat Soziopod auch noch den Grimme Online-Award in der Kategorie Bildung.

Patrick Breitenbach

Illuminatus! Die Trilogie

Vorsicht! Dieses Buch ist wie Acid. Ein einziger psychedelischer Trip. Ein Ulysses der Neuzeit. Entstanden in den Nachwehen der amerikanischen Hippiekultur und entsprechend ist es auch vollgepackt mit deren Memen. Das Buch selbst ist vermutlich der wichtigste Wegbereiter für all die nachfolgende Verschwörungsliteratur rund um die Illuminaten und dem anderem Gedöns. Erst dieses Buch aus dem Jahre 1968 hat den Dan Browns, Akte X Autoren und zigmillionen Verschwörungsseiten im Netz überhaupt den Weg geebnet. Das Buch ist eine hochintelligente und zugleich rotzfreche Satire, ein vergnüglicher Mindfuck, ein immersives Literaturerlebnis. Das kann sogar so intensiv ausfallen, daß einige Menschen bereits daran psychisch verzweifelt sind – wie zum Beispiel der Hacker Karl, der seine später entwickelte Psychose und Paranoia mit Inhalten aus dem Buch gefüttert hat. Dieses Buch hat übrigens auch gleich mal nebenbei eine neue Religion gegründet: Den Diskordianismus. Dieses Buch hat also nicht nur meine Wirklichkeit ziemlich auf den Kopf gestellt, es hat es auch noch mit dem größtem Vergnügen getan. Kreative Chaoten werden unendlich viel Spaß an der Mixtur aus realen, historischen Fakten, Okkultismus, Nazizombies, behaarten und unbehaarten Atlantisbewohnern, sprechenden Delfinen und jeder Menge Sex, Drugs und Rock ‘N Roll haben. Nicht gefestigte, leichtgläubige und ernsthafte Menschen und Miesepeter sollten lieber gleich die Finger davon lassen. Oder gerade erst dann lesen? Doch Vorsicht, die eigene Kognition wird sich verbiegen, verzerren und womöglich sogar verknäulen. Dieses Buch ist so verdammt bewusstseinserweiternd, gerade weil es alles so wunderbar wild durcheinander wirbelt. Humor ist das geeignete Antidot zur Lektüre.

Autoren: Robert Shea & Robert A. Wilson. Übersetzer: Udo Breger.

Bei amazon: Buch

Der Steppenwolf

Es heißt doch so schön: Entweder man haßt oder man liebt Hermann Hesse. Ich habe ehrlich gesagt keine innige Bindung zum Autor. Weder verschlinge ich alle seine Bücher noch widern sie mich an, wie so manchen meiner mir bekannten Mitmenschen. Was ich jedoch mit Fug und Recht behaupten kann: Mich hat der Steppenwolf in jungen Jahren am Ende doch mehr interessiert und bewegt, als ich es von einer verordneten Schullektüre erwartet hätte. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich als geborener Zwischenweltler stets mit der Welt des Harry Hallers wunderbar identifizieren konnte. Ein umtriebiges Wesen, taumelnd zwischen Freude und Traurigkeit, zwischen Bürgertum und Rebellion, zwischen Selbsthass und Nächstenliebe. Vielleicht ist der Steppenwolf auch einfach ein Buch, das bei Pubertierenden super ankommt – werden jetzt die Hesse-Hasser wieder skandieren. Jedenfalls bin froh, dass der Steppenwolf mich in das magische Theater geführt hat und mir dort das heilsame Lachen über einen selbst nahe gebracht hat. Die notwendige, heilsame Versöhnung von zwei verschiedenen, scheinbar voneinander getrennten Welten.

Autor: Hermann Hesse

Bei amazon: Buch | Buch

Teil der Welt. Fraktale einer Ethik – ein Drama in drei Akten

Das letzte Buch, das ich wirklich nicht mehr weglegen konnte, war dieses. Heinz von Foerster ist nicht nur mein Lieblingsphilosoph, er ist auch mein Lieblingsgeschichtenerzähler. In zahlreichen Gesprächen mit Monika Bröcker in seinen letzten Lebensjahren erzählt er zum einen noch einmal ausführlich sein leicht skurriles und faszinierendes Leben: Seine Kindheit und Jugend in Wien nach dem ersten Weltkrieg bei seiner Großmutter, einer bekannten Salonbetreiberin und feministischen Vorkämpferin, seinem Duzonkel Ludwig Wittgenstein, dessen Standardwerk, den ” Tractatus logico-philosophicus” er bereits als Jugendlicher auswendig konnte und damit anderen anscheinend sichtlich auf die Nerven ging. Seine Zeit unter den Nazis, die Flucht und das Leben als Forscher und kybernetischer Wissenschaftler in den USA. All das ist so wunderbar entzückend erzählt, dass ich dieses Buch wirklich nicht beiseite legen konnte. Der andere wichtige Teil des Buches ist der Versuch sich sprachlich Ethik und Moral zu nähern, auf ganz wunderbar leichtfüßige aber ganz und gar nicht leichtfertige Weise. Für mich eines der persönlich bereicherndsten und bewegendsten Bücher der letzten Jahre.

Autor: Heinz von Foerster

Bei amazon: Buch

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Neben Heinz von Foerster gibt es einen zweiten Denker, Philosophen und Psychologen, der mich unglaublich geprägt hat: Paul Watzlawick. Dank seiner Werke wandele ich nun auf den Pfaden des Konstruktivismus. Watzlawick schafft es mit diesem Buch die objektive Wirklichkeit als das darzustellen, was sie vermutlich wirklich ist: Eine Illusion, eine Konstruktion und eben nicht die wirkliche Wirklichkeit. Damit gehören die Konstruktivisten und allen voran Watzlawick für mich zu den wichtigsten Denkern der Neuzeit, denn sie stellen damit nicht nur weite Teile der Wissenschaft auf den Kopf (von wegen alles ist wissenschaftlich beweisbar), sie bieten zudem im Grunde die so dringend benötigte philosophische Basis an, die eine zunehmend vernetzt kommunizierende Welt eigentlich erfordert. Die Haltung des Konstruktivismus könnte in einer Welt, in der die alleinige Wahrheit immer noch zur Not mit Krieg ausgefochten wird, unfassbar heilsam wirken. Übrigens lese ich die verspielten Heinz von Foerster und Paul Watzlawick tausendmal lieber als den vertrockneten, technokratischen Luhmann, wobei alle im Grunde genommen versuchen das Gleiche zu beschreiben.

Autor: Paul Watzlawick

Bei amazon: Buch

Bombardiert Belgien! & Brot und Gürtelrosen

Wenn schon bitterböse Satire, Zynismus und Polemik, dann bitte mit sprachlicher Eleganz und einer gehörigen Portion Bissigkeit. Wiglaf Droste ist mein persönlicher Chefsatiriker, der bis heute Redewendungen und Sprüche vornehmlich zwischen mir und meiner Frau erfolgreich eingepflanzt hat. Wenn wir zum Beispiel irgendwo zopftragende Männer sehen, können wir nicht anders als Drostes vor Jahren gepflanzte Meme ihren Lauf zu lassen: “Als Mann einen Zopf tragen und trotzdem ein Wort wie „Menschenwürde“ routiniert auf der Zunge führen: genau so sieht er aus, der Zopfträger, und ahnt nicht einmal, dass man beides, einen Zopf und eine Würde, nicht gut haben kann; da muss man sich schon entscheiden. Und genau das hat der zopftragende Mann ja auch getan.” Für mich ist Wiglaf Droste eindeutig der knurrigere und dennoch feingeistigere Max Goldt und er wurde bereits zu Recht als würdiger Tucholsky-Nachfolger gehandelt. Übrigens empfehle ich nicht nur seine Bücher zu lesen, sondern auch seinen Lesungen zuzuhören. Seine Musik hingegen finde ich so la la.

Autor: Wiglaf Droste

Bei amazon: Buch
]]>
http://fuenfbuecher.de/patrick-breitenbach/feed/ 0