126. Fünf Bücher von Darja Keller

Ich bin 17 Jahre alt und besuche die Kantonsschule Wettingen. Ich mag die alten Fotos von Brigitte Bardot und Audrey Hepburn mit rotem Lippenstift, die noch nicht als Volksverräter verschrien wurden, weil sie Zigaretten zwischen ihren langen Fingern hielten. Ich lungere gerne mit Freundinnen oder Freunden an Bahnhöfen herum und wir stellen uns vor, wir könnten in den nächsten Zug, der weit weg fährt, einsteigen und wegfahren, ohne dass jemand davon weiss. Dann machen wir Passfotos und warten auf den nächsten Sommer.

Zwei Kurztexte von Darja Keller: Blickwinkel Autofahrt

Darja Keller

Kinder aus aller Welt

Dieses Buch stand in unserer Unterstufenbibliothek. Als ich es mit etwas acht Jahren zum Geburtstag geschenkt bekam, konnte ich es schon halb auswendig. Ohne zu werten, stellt es unzählige Länder dieser Welt immer anhand eines Kindes und seiner Familie vor. Dieses Buch hat mich mehr geprägt als all die Klischees und Vorurteile, die hierzulande viel zu oft über fremde Länder verbreitet werden. Wenn ich heute den Namen eines fremden Landes höre, habe ich oftmals immer noch als erstes das Bild des „dazugehörigen“ Kindes aus diesem Buch vor mir.

Autor: Barnabas Kindersley, Anabel Kindersley.

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Woyzeck

In gerademal 38 Seiten zeichnet Büchner ein verstörendes und groteskes Bild einer Gesellschaft, in der der mittellose Woyzeck von seinem Umfeld in den Wahnsinn getrieben wird. Dabei prangert der Autor die sozialen Klassenunterschiede an, die, global gesehen, heute leider noch genauso aktuell sind wie im vorletzten Jahrhundert. Einmal sagt Woyzeck, von einem Militärhauptmann bis auf die Knochen gedemütigt, weil er nicht seinem Tugendideal entspreche:
„Es muss was Schöns sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl.“

Autor: Georg Büchner

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Lektura dla poczatkujacych – Erste polnische Lesestücke

Das Büchlein stammt aus einem Literaturcafé in Kraków und fädelt lauter zierliche Gedichte verschiedener Autoren wie Perlen auf einer Schnur auf, kleine zauberhafte Episoden polnischen Alltags oder polnischer Fantasie. Auf der rechten Seite steht übrigens immer die deutsche Übersetzung. Aber in der Originalsprache hört es sich nun mal soooo viel poetischer an…

Autorin: Miriam Elze. Übersetzerin: Jolanta Wiendlocha.

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Bangkok Noir

Ein Buch, das man auf irgendeiner Seite aufschlagen kann, und jedes Bild der thailändischen Metropole bei Nacht wirft andere Fragen auf und fasziniert den Betrachter aufs Neue. Die Texte dazu sind mal poetisch, mal simpel, mal sachte und mal rau und holprig wie die Straßen Bangkoks. Gemein ist die düstere Melancholie und Unfertigkeit, die in ihnen schwebt.

Autor: Roger Willemsen

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Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Christiane F. erzählte erstmals schonungslos und offen vom Drogenmissbrauch unter Jugendlichen, insbesondere von der Fixerszene am Bahnhof Zoo in Berlin. Ihren Niedergang in die Fixerszene erzählt sie trotzig und mit einem fragwürdigen Stolz, der wohl widerspiegelt, was wir Jugendliche noch heute tun wollen: Rebellieren, eine Rebellion gegen bestehende Zustände, gegen die Erwachsenen, oft auch gegen uns selbst. Für mich war es deshalb besonders schmerzhaft zu lesen, was aus einer solchen Rebellion werden kann, wie schrecklich schief sie gehen und eine ganze Generation in den Abgrund ziehen kann.

Autoren: Kai Hermann, Horst Rieck, Christiane Felscherinow.

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