Birte Vogel

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Birte Vogel wünscht sich, jemand würde sie fürs Lesen bezahlen, damit sie nichts anderes mehr tun müsste. Bis sich dieser Jemand findet, schreibt sie, um zu leben. Birte Vogel, Journalistin und Kulturtexterin, hat kürzlich ihr erstes Buch herausgebracht: “Hannover persönlich“, eine Sammlung von Porträts prominenter und unbekannter Menschen aus, genau, Hannover.

Birte Vogel

Mister Pip

Dieses Buch steht stellvertretend für all die fantastischen Bücher neuseeländischer AutorInnen, die in Deutschland leider völlig unbekannt sind. “Mister Pip” ist eins der wenigen, die übersetzt wurden, dies aber völlig zu recht. Lloyd Jones erzählt die in meinen Augen stärkste und berührendste Geschichte aller Zeiten über die Kraft der Bücher. Es ist die Geschichte der kleinen Matilda aus Bougainville, deren außergewöhnlicher Lehrer Mr. Watts sie und ihre MitschülerInnen in die vollkommen fremde Welt der “Großen Erwartungen” des britischen Schriftstellers Charles Dickens entführt, während um sie herum ihre eigene Welt auf brutalst mögliche Weise zerstört wird. Die beiden Hauptcharaktere Matilda und Mr. Watts sind mir noch nach Jahren präsenter als alle, über die ich seither gelesen habe.

Autor: Lloyd Jones

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Adams Erbe

Adam, ein Träumer, wächst in den 1930er Jahren bei seiner exzentrischen Großmutter auf. Seine große Liebe Anna verschwindet eines Tages spurlos. Jahrzehnte später findet der junge Edward Cohen Briefe seines Großonkels Adam an Anna. Anhand beider Leben, Adams und Edwards, erzählt Astrid Rosenfeld von Liebe, Gewalt, Politik und Tod und davon, wie sehr das scheinbar Vergangene bis in unsere heutige Zeit nachwirken kann. Astrid Rosenfeld ist für mich die Entdeckung des Jahrzehnts, ihre Sprache rhythmisch und fließend, ihre Phantasie wild, skurril und doch immer nachvollziehbar, ihr Humor subtil, und ihre Charaktere so einzigartig, so genau und liebevoll gezeichnet, wie ich es aus der hiesigen Literatur sonst nicht kenne. Mich hat sehr, sehr lange kein deutscher Roman mehr so sehr gepackt und berührt wie dieser.

Autorin: Astrid Rosenfeld

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Deutschland, eine Reise

Der Journalist Wolfgang Büscher ist einmal um ganz Deutschland herum gewandert, immer entlang der Grenze, und hat darüber eine ganz wunderbare literarische und philosophische Reportage geschrieben. Sein Buch hat mich in tiefe Depressionen gestürzt, denn nie werde ich so schreiben können wie er. Es ist so schön, so lyrisch und so bildgewaltig, dass ich mich andererseits sofort und unrettbar in Büschers Sprache verliebt habe. Wer dem wahrscheinlich nicht völlig abwegigen Glauben verfallen ist, deutsche Sachbuch-AutorInnen könnten nur staubtrockene Unlesbarkeiten schreiben, kann sich an Büschers grandiosen Reiseberichten vollständig kurieren.

Autor: Wolfgang Büscher

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The Collected Stories of Katherine Mansfield

In scheinbar oberflächlichen Kurzgeschichten über scheinbar ganz normalen Alltag zerlegt Katherine Mansfield mit jedem Wort und ganz genüsslich den menschlichen Charakter bis auf die Knochen. Ihr treffsicherer Sarkasmus und ihre meisterhaft feine, elegante Sprache sind im Original immer wieder ein unglaubliches Vergnügen.

Autorin: Katherine Mansfield. Künstler: Stephen Arkin.

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The Complete Works Of William Shakespeare

Glücklicherweise habe ich all seine Werke in einem einzigen dicken Schinken – ich wüsste nicht, für welches ich mich entscheiden würde, wenn ich müsste. Vielleicht noch am ehesten für ein Sonett (Nr. 116: „Let me not to the marriage of true minds admit impediments. Love is not love which alters when it alteration finds …“). Ganz egal, wer diese Sachen wirklich geschrieben hat: sie sind schlicht brillant. Niemand sonst hat all die Abgründe des Menschen so treffend, mit so viel Humor und, vor allem, in so perfekter und herrlich vieldeutiger Sprache dargestellt.

Autor: William Shakespeare

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