Antje Schrupp

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Antje Schrupp, geboren 1964 in einem Taunusdörfchen, war als Teenager von Wohnungen fasziniert, in denen alle Wände mit Bücherregalen vollgepflastert waren. Dass es die nur bei Lehrerinnen oder Pfarrern gab, schreckte sie nicht ab: Um später selbst auch mal so viele Bücher zu haben, studierte sie zuerst Theologie, dann Politikwissenschaft und Philosophie. Inzwischen schreibt sie selber zuweilen Bücher oder auch einfach ins Internet.

Antje Schrupp

Vita activa oder Vom tätigen Leben (Piper 1967)

Meiner Ansicht nach das Grundlagenwerk schlechthin, wenn man Gesellschaft, Politik und Sozialstruktur der westlich-abendländischen Kulturen verstehen möchte. Arendt beschreibt das Ende der Arbeitsgesellschaft, entwirft eine Politik der Gebürtigkeit und der Verwobenheit aller in das „Bezugsgewebe der menschlichen Angelegenheiten“. Und ganz nebenbei lernt man auch eine Menge über die alten Griechen und so weiter. Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, kann man das sogar im Strandurlaub lesen (ich habe es ausprobiert).

Autorin: Hannah Arendt

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Wie weibliche Freiheit entsteht (Orlanda 1988)

Das Buch, das mich zur Feministin gemacht hat. Die Frauen des Mailänder Frauenbuchladens entwickeln hier eine politische Praxis, die der Gleichstellungslogik der „Emanzipation“ eine klare Absage erteilt. Weibliche Freiheit, so ihre These, ist nicht abhängig von Gesetzen und Rechten, sondern gründet in qualitätsvollen Beziehungen zwischen Frauen. Damit Frauen frei sein können, müssen sie symbolische Unabhängigkeit von der männlichen Norm des Immer-schon-so-Gewesenen gewinnen. Also: Die Liebe zur Freiheit als Grundlage des Feminismus, nicht bloß der Kampf gegen Diskriminierung – so gefällt mir das.

Autorenschaft: Libreria delle donne di Milano. Übersetzerin: Traudel Sattler.

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Uhrwerk der Liebe (Claassen 1977)

Vordergründig ein Roman über Liebesprobleme, Treue und Untreue, in Wahrheit die erzählerische Umsetzung einer philosophischen These. Murdoch ist der Ansicht, dass Ethik nicht an dem Punkt ansetzt, wo Menschen in einer Entscheidungssituation stehen und zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch wählen müssen. Vielmehr seien wir alle so stark von unserem bisherigen Leben geprägt, dass unsere Entscheidung an diesem Punkt eigentlich bereits vorherbestimmt ist. Und wie genau das funktioniert, erzählt sie in diesem Roman. Es verdient Applaus, wenn Philosophinnen ihre Thesen anhand von Romanen plausibel machen, und sei sehr zur Nachahmung empfohlen!

Autorin: Iris Murdoch

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Die satanischen Verse (Artikel 19 Verlag, 1989)

Anhand dieses Buches habe ich verstanden, wie gefährlich Worte und Geschichten sein können, für die Machthaber, aber aber eben auch für die, die sie erzählen. Die satanischen Verse sind ein großartiger Roman. Hinter Rushdies Erzählung über die Entstehungszeit des Islam steckt so viel Sachkenntnis und Aufrichtigkeit, dass mich die Fatwa gegen ihn sehr erschüttert hat. Seitdem bin ich ein großer Fan und lese jedes Buch, das er schreibt (und lerne dabei weiterhin sehr viel).

Autor: Salman Rushdie

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Die Einwurzelung (Kösel 1956)

Erschütterndes politisches Vermächnis einer der genialsten und originellsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Simone Weil schrieb es 1943 in England, kurz vor ihrem Tod, und es ist das einzige zusammenhängende Buch von ihr. Der Untertitel lautet „Einführung in die Pflichten dem menschlichen Wesen gegenüber“. Man kann das nicht einfach so runterlesen kann, sondern muss es in kleinen Häppchen verdauen. Schlimm nur, dass es das Buch auf Deutsch nur zu horrenden Preisen antiquarisch gibt (daher hüte ich mein Exemplar wie einen Augapfel)!

Autorin: Simone Weil

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