Kirsten Heller

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Kirsten Heller ist ein echtes Lesehuhn. Grund genug für sie, gemeinsam mit zwei Freunden ein gleichnamiges Blog zu betreiben, in dem die drei Kurzrezensionen zu allem schreiben, das ihnen unter die Lesebrille kommt. Da sie nicht nur ein Herz für Bücher, sondern auch ein Händchen für Menschen hat, kümmert sich Kirsten bei Virtual Identity als Personalverantwortliche um alles Menschliche.

Kirsten Heller

Am Hang

Ich schätze die Erzählungen und leicht verschrobenen Figuren von Markus Werner sehr. Seine Protagonisten sind sich allesamt ein wenig ähnlich. Wahrscheinlich hatte ich deshalb bei Thomas Loos, der Hauptfigur des Romans “Am Hang” – einem immer zweifelnden, in die Jahre gekommenen Altphilologen – schon fast den Eindruck, ich kenne ihn. Thomas Loos trifft in einem Tessiner Hotel scheinbar zufällig den Scheidungsanwalt Clarin. Vor einem Jahr ist Loos Frau an diesem Ort zu Tode gekommen. War es Selbstmord? Mord? Als Leser folgt man gespannt dem Dialog der Beiden. Am Ende des Romans wird der Leser vollkommen überrascht und man kann nicht anders, als den Roman geradewegs nochmals von vorne zu lesen.

Autor: Markus Werner

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Montauk

„Montauk“ war stets mein liebster Frisch. Vielleicht weil „Montauk“ autobiografisch ist, vielleicht weil ich die Erzählung in seiner Offenheit bewundere? Frisch erzählt das letzte Wochenende, welches er mit “seiner Affäre” an einem Ort namens Montauk verbringt. Die inneren Dialoge von Frisch nehmen uns mit zu vergangenen Liebschaften, einer gescheiterten Ehe, seinen innersten Gedanken und Zweifeln. Ich liebe “Montauk” für seine Schonungslosigkeit, Offenheit und alles nicht Ausgesprochene.

Autor: Max Frisch

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Wassermusik

Von T.C.Boyle kann man eigentlich alles lesen. Das sollte man aber lesen. Erzählt wird u.a die Entdeckungsreise des Schotten Mungo Park nach Afrika um 1800. Das macht Boyle mit vielen Bildern, spannendenden und komischen (Neben-) Geschichten und zahlreichen Überraschungen.

Autor: T.C. Boyle. Übersetzer: Werner Richter.

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Die Einsamkeit der Primzahlen

Der Roman hat mich mitgenommen und berührt und das nicht nur aufgrund der Geschichte, sondern auch dank seiner unglaublich präzisen und poetischen Beobachtungen. Erzählt werden die Geschichten von Alice und Mattia, die beide an einem Tag ihrer Kindheit etwas unwiederbringlich verlieren. Sieben Jahre später lernen die beiden sich kennen und kommen sich nahe, doch wirklich zueinander finden sie nie. Die ersten Kapitel des Romans machen den Leser atemlos, so sehr ist man gefangen genommen von den dramatischen Erlebnissen der beiden Kinder.

Autor: Paolo Giordano. Übersetzer: Bruno Genzler.

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Grenzgang

“Grenzgang” nimmt uns mit in eine deutsche Kleinstadt, zu Kerstin und Thomas. Kerstin ist geschieden, alleinerziehend und pflegt ihre demente Muter. Thomas ist alleinstehend und arbeitet als Lehrer, nachdem vor Jahren seine Hochschulkarriere gescheitert ist. Das “Grenzgang-Fest” der Kleinstadt, findet alle sieben Jahre statt. Vier “Grenzgang-Feste” erlebt der Leser mit den beiden Protagonisten – in ihren Parallelwelten sowie dort, wo sich ihre Geschichten kreuzen – nicht chronologisch erzählt. Der Roman beschreibt sehr eindringlich die Leben der Beiden: Von Träumen und Verfehlungen in jungen Jahren und von der “Lebensmitte” voller Resignation, in der man sich nur noch als passive Figur, nicht aber als handelnder Mensch wahrnimmt. Fast schon in Kunstgriff ist die Hoffnung, die der Roman gegen Ende zu geben vermag.

Autor: Stephan Thome

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