Matthias Zehnder

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Mathias Zehnder ist Chefredaktor der Coopzeitung, der auflagestärksten Wochenzeitung der Schweiz. Zehnder ist 1967 in Winterthur geboren und lebt heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Basel. Er hat in Zürich Germanistik und Philosophie studiert und sich danach auf Medienwissenschaften spezialisiert. Obwohl er sich jahrelang vor allem mit neuen Medien beschäftigt hat, bezeichnet er sich selbst als biblioman und bekennt sich zum Buch – allerdings nicht mehr nur in gedruckter Form. In den Ferien ist es mit dem Kindle doch sehr viel einfacher geworden, genügend Lektüre mitzunehmen. So oder so: Die spannendsten Abenteuer finden für ihn nicht auf der Leinwand und schon gar nicht auf dem Bildschirm statt, sondern im Kopf. Ob sie durch Buchstaben auf Papier, auf einem Display oder gar von einem Hörbuch angeregt werden, ist ihm eigentlich einerlei. Hauptsache: Literatur.

Matthias Zehnder

Arc de Triomphe

Ich liebe Geschichten. Saftige, sinnliche, spannende Geschichten. Die Schriftsteller, die grosse Geschichten schreiben, kommen im deutschen Feuilleton leider immer noch zu kurz. Mein erster Held ist dafür ein gutes Beispiel: Erich Maria Remarque mit, natürlich, “Im Westen nichts Neues”, aber auch “Der Himmel kennt keine Günstlinge”, “Die Nacht von Lissabon” und, mein Lieblingsbuch, “Arc de Triomphe”. Im Geiste von EMR grosse Geschichtenerzähler, die es ebenso verdient hätten, hier zu stehen, sind Philippe Djian (Lieblingsbuch: “Pas de Deux”), der viel zu wenig bekannte Gisbert Haefs (“Hannibal”, “Hamilkars Garten”) und Charles Lewinsky (“Melnitz”, “Gerron”).

Autor: Erich Maria Remarque.

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Thomas Mann: Das Leben als Kunstwerk

Ich liebe Biografien. Ich erschliesse mir jeden Sommer mit einer Schriftstellerbiografie ein Lebenswerk. Oder ein Werkleben. Über ihre Biografien habe ich staunend Goethe (Sigrid Damm) und Schiller (Rüdiger Safranski) neu entdeckt, Stefan Zweig und Erich Maria Remarque und, besonders eindrücklich, Thomas Mann: Hermann Kurzkes Biografie “Das Leben als Kunstwerk” ist so gut geschrieben und mit so vielen Zitaten von Thomas Mann durchsetzt, dass es eigentlich die Lektüre von Mann im Originaltext unnötig macht.

Autor: Hermann Kurzke.

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Gedichte fürs Gedächtnis

Gedichte haben mich immer wieder begleitet. Ich bin zwar der Logik verfallen und mein Herz gehört den grossen Geschichtenerzählern – trotzdem: Ein gutes Gedicht ist wie eine Blume im Kornfeld. Mit moderner Gefühlslyrik kann ich nicht wirklich viel anfangen, ich liebe aber die saftigen Balladen von Goethe und Schiller, die traurige Lyrik von Trakl und Lasker-Schüler und die lakonischen Gedichte von Kästner und Tucholsky… “Gedichte fürs Gedächtnis”, die Gedichtsammlung deutscher Lyrik, die Ulla Hahn zusammengetragen hat, hat mich deshalb immer wieder begleitet. Untertitel: “Zum Inwendig-Lernen und Auswendig-Sagen”.

Autorin: Ulla Hahn.

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Der Brief des Lord Chandos

Der “Brief” von Hoffmannsthal hat mich früh bis ins Mark getroffen: Er bringt dieses Gefühl auf den Punkt, dass die Sprache letztlich nur eitel Trug und Schein ist, jede Verständigung eigentlich blosse Einbildung ist und einem beim Anblick der Welt die Worte in den Fingern zerfallen müssen. Dass der fiktive Brief von Lord Chandos an Francis Bacon, in dem Hoffmannsthal dieses Zerfallen der Sprache beklagt, ein Dokument grosser Sprachmächtigkeit ist, macht das Gefühl nicht besser.

Autor: Hugo von Hoffmannsthal.

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Funktion, Begriff, Bedeutung

Während des Studiums an der Uni bin ich irgendwann in Treibsand geraten: Alle behaupten irgendwas und reden aneinander vorbei. Fester Boden ist nirgends, nur Vorspiegelung eingebildeter Tatsachen. Dann bin ich auf Frege gestossen und da war plötzlich Boden. Mit Frege habe ich die Logik entdeckt und mit der Logik den Reiz klarer Formen. Als Einstieg in seiner luziden Klarheit unerreicht ist die Aufsatzsammlung “Funktion, Begriff, Bedeutung”, Kernstück ist der Aufsatz “Über Sinn und Bedeutung”. Wer sich eingehender mit Logik beschäftigt, stösst leider irgendwann auf Saul A. Kripke und auf Willard van Orman Quine – und landet dann auch in der Logik im Treibsand. Aber das ist eine andere Geschichte.

Autor: Gottlob Frege.

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